Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.03.2019


Bezirk Imst

Freiwilligenjahr in Pozuzo angestrebt

Saisonniers aus Pozuzo dürfen in Tirol nicht mehr arbeiten. Ehrenmitgliedschaft an Projektleiterin verliehen.

Freundeskreis-Vollversammlung: Obmann Rudi Heinz (l.) würdigte die Verdienste von Deutschkurse-Projektleiterin Traudi Feichtinger. Weil sie erkrankt war, übergab er die Urkunde an ihren Mann Eugen Feichtinger.

© WenzelFreundeskreis-Vollversammlung: Obmann Rudi Heinz (l.) würdigte die Verdienste von Deutschkurse-Projektleiterin Traudi Feichtinger. Weil sie erkrankt war, übergab er die Urkunde an ihren Mann Eugen Feichtinger.



Silz – Eine 180-köpfige Auswanderergruppe traf sich am 16. März 1857 in Silz, um Tirol in Richtung Pozuzo (Peru) für immer zu verlasssen. Für den 1983 gegründeten Pozuzo-Freundeskreis mit Sitz in Silz ist es der große Erinnerungstag und zugleich Termin der jährlichen Vollversammlung.

„Erfreulich ist, dass sich auch die jüngere Generation für Kontaktpflege und Kulturaustausch zwischen Tirol und den Nachkommen der Kolonisten interessiert“, hoben Obmann Rudi Heinz und sein Stellvertreter Emanuel Bachnetzer am Samstagabend hervor. Zur geplanten Jubiläumsreise anlässlich 160 Jahren Pozuzo-Gründung (1859) haben sich, so Bachnetzer, zahlreiche jüngere Teilnehmer unter 30 Jahren angemeldet.

Wermutstropfen im Austauschprogramm sei allerdings der Umstand, dass neue Saisonniers aus Pozuzo nicht mehr in Tirol arbeiten dürfen. Das AMS berufe sich dabei auf entsprechende gesetzliche Bestimmungen. „Wir hätten 21 Bewerber für Saisonnier-Jobs in Tirol gehabt“, zeigte Bachnetzer auf.

Stattdessen verfolgt der Verein eine neue Idee: Junge Leute aus Tirol sollen einen Freiwilligendienst in Pozuzo machen können. Wenn alles klappt, bereits ab kommendem Sommer. Das Projekt sei beim BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) eingereicht. Auch mit LH Günther Platter möchte man bezüglich des Freiwilligenjahres reden. Im Idealfall sollen Zivildiener ebenfalls Dienst in Pozuzo leisten können.

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Als Daueraufgabe sieht der Freundeskreis die Förderung des Deutschunterrichts für die Nachkommen der Tiroler Auswanderer. Das Deutschprojekt läuft übrigens seit 22 Jahren. „Zuletzt waren die Rahmenbedingungen vor Ort jedoch schwierig“, berichtete Obmann Rudi Heinz. Aber der neue Bürgermeister Nilton Ballesteros Crisanto und Altbürgermeister Carlos Gstir Schaus hätten sich erfolgreich für die Fortsetzung des Unterrichts eingesetzt.

In den vergangenen zehn Jahren engagierte sich Traudi Feichtinger für das Deutschprojekt. „Das peruanische Unterrichtsministerium hat nur zwei Wochenstunden genehmigt“, schildert sie. Das habe lediglich für ein „Basis-Deutsch-Niveau“ gereicht. „Eine weitere Schwierigkeit war es, geeignete Lehrpersonen zu gewinnen.“ Dennoch sei Deutsch – dank kräftiger finanzieller Unterstützung durch den Verein und dessen Förderer – im Stundenplan der Schulen und im Kindergarten erfolgreich integriert worden.

Die bisherige Projektleiterin, die wegen einer Erkrankung die jüngste Vollversammlung nicht besuchen konnte, hat das Deutschprojekt kürzlich in die Hände der 27-jährigen Lehrerin Vanessa Kuen aus Rietz gelegt.

Den Einsatz von Feichtinger würdigte der Freundeskreis mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Auch die fünf Deutschlehrerinnen aus Pozuzo bedankten sich im Jahresbericht 2018 herzlich bei „ihrer“ Traudi. (hwe)




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