Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.03.2019


Bezirk Landeck

„Weltbeste Felskletterin“ stammt aus Strengen

Barbara Zangerl wurde vom National Geographic als Abenteurerin des Jahres ausgezeichnet. Heuer will sie diesem Titel wieder gerecht werden.

Barbara Zangerl und Jacopo Larcher kletterten 2018 die Route „Magic Mushroom“ auf dem El Capitan im Yosamite Nationalpark.

© Francois LebeauBarbara Zangerl und Jacopo Larcher kletterten 2018 die Route „Magic Mushroom“ auf dem El Capitan im Yosamite Nationalpark.



Von Matthias Reichle

Strengen, Bludenz – Felswände, in denen kaum ein Riss zu finden ist, um sich darin festzukrallen, Routen, die so schwierig sind, dass nur eine Handvoll Menschen überhaupt daran denken können, sie zu meistern. Für Barbara Zangerl sind sie ein zweites Zuhause. Die in Strengen aufgewachsene Kletterin tritt nicht in Wettkämpfen an – ihre Gegner sind die so genannten „Big Walls“ – die großen Felsen dieser Welt.

Dafür bekam sie im März den Titel „Abenteurer des Jahres 2019“ verliehen. National Geographic – das traditionsreiche amerikanische Outdoor-Magazin vergibt ihn für besondere Leistungen. „Treffen Sie die weltbeste Kletterin, von der Sie (wahrscheinlich) noch nie gehört haben“, heißt es dort.

„Für mich ist das eine besondere Ehre“, so Zangerl – vor allem weil Europäer und insbesondere Kletterer dabei selten berücksichtigt werden. Ihren Abenteuersinn hat Zangerl allerdings oft genug bewiesen. 2013 gelang ihr als erste Frau die legendäre Alpen-Trilogie. 2017 bewältigte sie mit ihrem Partner Jacopo Larcher die Route „Magic Mushroom“ am El Capitan im Yosemite Nationalpark in Kalifornien frei – einer der schwierigsten Big Walls der Welt. Als erstes Team schafften sie es, die Route, die 2008 zum ersten Mal frei begangen worden war, zu wiederholen. Im vergangenen Jahr meisterten sie dann die berüchtigte „Odyssee“ in der Eiger Nordwand. Vier Tage waren sie im Fels unterwegs.

Dafür ist die sympathische 30-Jährige, die seit acht Jahren in Bludenz lebt, in Europa weniger bekannt als in den USA. Von den 39.600 Followern auf Instagram stammt die Hälfte aus den Vereinigten Staaten und nur ein kleiner Teil aus Österreich. „Ihre zurückhaltende Natur täuscht darüber hinweg, dass sie unter ihren Kollegen den Ruf der weltbesten weiblichen Allround-Kletterin genießt“, schreibt das Magazin. „Für mich ist das eine Ehre“, betont Zangerl – von sich selbst will sie das aber nicht behaupten, winkt sie ab.

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Auch heuer ist sie wieder auf Abenteuer aus. „Im Winter sind wir fast durchgehend in Bludenz, den Rest des Jahres schlafe ich öfter im Auto, in der Wand oder am Campingplatz als im eigenen Bett.“ Heuer führt sie die Suche nach neuen Herausforderungen zum Yosemite Nationalpark, um die legendäre Route „The Nose“ zu klettern. Und auch zum Eiger will sie – um 1300 Meter Felswand an einem Tag zu bewältigen. „Für uns ist das noch unvorstellbar“, betont sie in Hinblick auf dieses Wagnis. Bei jedem Mal ist es ein neuerliches Herantasten. „Bei Magic Mushroom waren wir elf Tage in der Wand, bis zum Schluss weißt du nicht, ob es gelingt.“