Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Innsbruck

Schlafplatz für „menschenwürdiges Leben“

Kufsteiner Notschlafstellenleiter zieht positive Bilanz, plädiert für offene Türen im Sommer.



Die beiden Winternotschlafstellen in Innsbruck sind seit gestern geschlossen. Wo ab November wieder Schlafplätze für Obdachlose angeboten werden, ist unklar. Wie berichtet, wird das Gebäude, in dem sich die Notschlafstelle des Roten Kreuzes befindet, im Herbst abgerissen, auch die Einrichtung der Tiroler Sozialen Dienste ist baufällig. Davon abgesehen wurde die Forderung nach einer ganzjährigen Notschlafstelle in Innsbruck laut. Diesen Ruf verstärkt nun auch Michael Hennermann vom Verein für Obdachlose. „Leider verlangt die derzeitige Situation dringend ein größeres Angebot an Notschlafplätzen.

Die ganzjährig geöffneten Notschlafstellen Alexihaus und die städtische Herberge sind nahezu immer voll. Die zusätzlichen Winternotschlafstellen konnten vielen Betroffenen einen warmen, trockenen Schlafplatz verschaffen. Leider beginnt nun wieder die Zeit, in der viele Menschen gänzlich ohne Alternative zur Straße ein noch härteres Leben erwartet", weiß Hennermann. Auch im Sommer brauche es das Angebot eines Schlafplatzes für ein menschenwürdiges Leben. „Solange es so schwierig ist bzw. so lange dauert, bis ein adäquater Wohnraum gefunden werden kann, wird es auch unbedingt nötig sein, ein ausreichendes Angebot an Plätzen zu stellen, und das auch im Sommer", betont Hennermann.

Der Wunsch nach einem ganzjährigen Angebot besteht auch in Kufstein. Die dortige Notschlafstelle verzeichnete in ihrer ersten Wintersaison seit November 500 Nächtigungen. Für den Leiter der Kufsteiner Einrichtung, Bernhard Kapfinger, braucht es ganz klar ein ganzjähriges Angebot: „Schicksale sind nicht wetterabhängig." (dd, jazz)


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