Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Bezirk Kufstein

Kufsteiner Notschlafstelle: Ganzjähriges Angebot gefordert

Kufsteiner Notschlafstellenleiter zieht positive Bilanz, plädiert für offene Türen im Sommer.

In der simpel eingerichteten Wohnung kann Notschlafstellenleiter Bernhard Kapfinger bis zu zwölf Menschen einen warmen Schlafplatz bieten.

© HrdinaIn der simpel eingerichteten Wohnung kann Notschlafstellenleiter Bernhard Kapfinger bis zu zwölf Menschen einen warmen Schlafplatz bieten.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Ruhig, fast schon familiär sei die erste Saison für die Kufsteiner Winternotschlafstelle abgelaufen. So bilanziert der Leiter der Notunterkunft Bernhard Kapfinger. Am Montag wurden die Türen vorerst geschlossen – fast 500 Nächtigungen hatte es bis dahin gegeben. 33 gemeldete Personen nahmen dabei das Angebot der Tiroler Sozialen Dienste in Anspruch, 85 Prozent davon waren Männer, etwa zwei Drittel davon aus dem Bezirk. „Wenn Frauen in Not von zu Hause wegmüssen, bevorzugen sie Frauenhäuser“, erklärt Kapfinger. Meistens ginge es um eine langfristige Unterstützung, man arbeite hier eng mit der hiesigen Frauen- und Mädchenberatungsstelle Evita zusammen.

Vom Mitzwanziger bis zum Rentner wurde die Notschlafstelle aufgesucht. „Wir haben hier aber nicht den klassischen Dauer-Obdachlosen“, schildert Kapfinger. Oft komme es vor, dass jemand kurzfristig seine Unterkunft verliert, weil diese an einen Arbeitsplatz geknüpft ist – wie man es etwa von Personalzimmern in Gastronomie und Tourismus kennt. Sind Minderjährige involviert, greife umgehend das soziale Netzwerk des Unterkunft-Leiters, „für Kinder ist die Notschlafstelle nicht geeignet“.

Reibereien habe es keine gegeben, „einmal wollte einer stänkern, aber niemand hat darauf reagiert“. Auch die Bedenken bezüglich kultureller Differenzen mit den Asylwerbern im Haus hätten sich als nicht berechtigt entpuppt. Einer der freiwilligen Helfer sei selbst ein ehemaliger Flüchtling mit positivem Asylbescheid, der über das Engagement in der Notschlafstelle seine „soziale Ader“ entdeckt habe, berichtet Kapfinger.

Dankbar sei man für die finanziellen Spenden von Firmen und Vereinen – über 800 Euro kamen so herein. Bei der Beteiligung von Freiwilligen habe es „Ansätze“ gegeben, „die haben sich aber leider wieder im Sand verlaufen“. Für die nächste Saison hoffe man hier auf mehr Unterstützung. Für Kapfinger braucht es außerdem ein ganzjähriges Angebot dieser Art. „Schicksale sind nicht wetterabhängig“, bringt es der Sozialarbeiter auf den Punkt.

Planmäßig wird die Notschlafstelle erst Mitte November wieder ihre Pforten öffnen.