Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Gesellschaft

„Wölfe und Bären sind für den Menschen ungefährlich“

Alpenzoo-Direktor André Stadler zu seinen Zukunftsplänen, zum Artenschutz und was aus seiner Sicht Grimms Märchen mit den aktuellen Wolfs-Diskussionen zu tun haben.

Direktor André Stadler auf Tuchfühlung mit einem seiner Wölfe im Alpenzoo.

© Foto TT/Rudy De MoorDirektor André Stadler auf Tuchfühlung mit einem seiner Wölfe im Alpenzoo.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Seit 1. Jänner 2018 ist der deutsche Diplom-Biologe André Stadler, der aus 26 Bewerbungen als Sieger hervorgegangen war, neuer Direktor des Innsbrucker Alpenzoos – als erst vierter Chef nach Hans Psenner (1962 bis 1978), Helmut Pechlaner (1979 bis 1991) und Michael Martys (1992 bis Ende 2017). Stadler hatte sich zuvor als Kurator im Zoo Wuppertal stark für Erhaltungszucht und für den Artenschutz eingesetzt.

Der Alpenzoo mit seinen 120 verschiedenen Tierarten und 200 Tieren habe international einen exzellenten Ruf, sagt Stadler im Gespräch mit der TT. International gehöre man zu den 150 führenden Zoos. „Wir spielen in der Zoo-Liga weit vorne mit und sind bei der Auswilderung von Tieren zum Artenschutz sogar in der absoluten globalen Champions League.“ Der Alpenzoo lebe quasi ein Arche-Noah-Prinzip und habe in der Vergangenheit etwa 4500 Tiere (etwa Bartgeier und Waldrapp) in die Natur ausgewildert, betont Stadler.

Der Alpenzoo lebe nach den wichtigsten Prinzipien Erhaltung, Forschung, Bildung und Artenschutz. Er habe einen hervorragend geführten Tierpark übernommen und versuche diesen nun auch mit einigen neuen Ideen weiterzuentwickeln. „Man muss bekanntlich laufen, um nicht stehenzubleiben.“ Im Außenauftritt setze man verstärkt auch auf soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram. In seinem ersten vollen Jahr sei die Entwicklung jedenfalls mit einem Besucher-Plus von zwei Prozent auf 270.000 Besucher erfreulich gut gelaufen, so Stadler. Im Sommer fertig und neu eröffnet werde etwa das 14 Meter hohe Geier-Gehege.

Große Pläne hat der Alpenzoo-Direktor mit der Weiherburg, für deren Nutzung man kürzlich den diesbezüglichen Vertrag mit der Stadt und der IIG unterschrieben habe. Laut Stadler plane man hier hochwertige Veranstaltungen, Hochzeiten (es gibt dort auch eine geweihte Kapelle), Weihnachtsfeiern und verschiedene Firmen-Events oder Seminare. Denn auch so könne man dann hervorragende Anknüpfungspunkte und Kontakte etwa auch für Partnerschaften für den Zoo finden.

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Wenig Freude hat Stadler mit den derzeit oft hitzig geführten Debatten über Wölfe. Seit den Märchen der Gebrüder Grimm herrsche leider bei vielen die völlig falsche Meinung vor, dass Wölfe die Großmutter fressen. Dabei seien Wölfe und Bären für den Menschen im Wald ungefährlich, weil diese den Menschen als Gefahr sehen und die Tiere im Wald das Weite suchten. „Im Alpenzoo gehen wir sogar mit Kindergarten-Gruppen ins Wolfsgehege.“ Wildschweine, die derzeit in Tirol nicht anzufinden sind, wären laut Stadler viel gefährlicher als Wolf, Luchs oder Bär. Problembären wie einst Bruno müssten aber erschossen werden, so Stadler. Was es bei Wölfen aber sehr wohl gebe, seien Schäden durch gerissene Schafe. Hier gebe es aber Regelungen, dass diese Schäden den betroffenen Bauern zur Gänze abgegolten werden.