Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Bezirk Imst

Trophäenschau in Imst: Musterschüler bleibt seinem Ruf treu

Bei der Trophäenschau in Imst mischte sich Kritik unter den allgemeinen Jubel. Die Abschusszahlen lassen den Bezirk allerdings auch in diesem Jahr als Primus unter den Tiroler Bezirken hervorgehen.

Zahlreiche Besucher im Imster Glenthof.

© PloderZahlreiche Besucher im Imster Glenthof.



Von Thomas Ploder

Imst – Erstmals unter der organisatorischen Führung des neu gewählten Bezirksjägermeisters Klaus Ruetz präsentierte die Imster Jägerschaft am vergangenen Wochenende die Trophäen des abgelaufenen Jagdjahres im Glenthof. Der 18 Jahre lang tonangebende ehemalige Bezirksjägermeister Norbert Krabacher tritt allerdings nicht in den Ruhestand, er übernimmt die Leitung der 26.000 ha großen Landesjagd im Pitztal. Wie bereits in den Vorjahren erwies sich der Bezirk Imst auch in diesem Jahr wieder als Spitzenreiter in Bezug auf die Erfüllung der Abschussquote. In Stolz und Freude über die erreichten Ergebnisse mischten sich allerdings auch heuer kritische Bemerkungen der Festredner.

Bezirksjägermeister Klaus Ruetz.
Bezirksjägermeister Klaus Ruetz.
- Ploder

Beim Schalenwild betrug bei einer Vorgabe von 3583 Stück der tatsächliche Abgang 3445, die Quote 96,1 %, bei den Trophäenträgern sogar 100,2 %. „Das Rotwild ist die wichtigste Vergleichsgröße“, so Landesjägermeister Anton Larcher, „hier wurde mit 960 von vorgegebenen 962 Stück eine Quote von 99,8 % und somit ein absoluter Spitzenwert erzielt.“ Auch beim Gamswild, 95,9 %, dem Rehwild, 91,2 %, dem Steinwild, 116,9 %, und dem Muffelwild, 128,6 %, wurden die Ziele erreicht. Die Zahl der Fehlabschüsse sank von 76 auf 71, was die Verantwortlichen als Zeichen großer Sorgfalt in der Jägerschaft werten. Als Rarität unter den Trophäen erwies sich diesmal das Haupt des einzigen im Bezirk erlegten Schwarzwildes.

Ein Steinbock.
Ein Steinbock.
- Ploder

In den Reden des offiziellen Teils der Pflichttrophäenschau wurde neben Lob und Anerkennung auch deutliche Kritik laut. So ging die Mahnung an die Jägerschaft, wieder mehr Alttiere zu erlegen und damit den Trend der Jagd auf Jungwild umzukehren. Dieser würde auf Dauer den Bestand gefährden. Auch die „Dauerbrenner“ unter den Kritikpunkten der Jägerschaft wurden mehrfach genannt. Dazu zählen die Ausweitung des Siedlungsraums, die Störung des Wildes durch den Tourismus, der Straßenverkehr und das Problem frei laufender Hunde. Als Lösung wünscht sich die Tiroler Jägerschaft definierte Rückzugsbereiche für das Wild nach dem Muster der Schweiz.

Das Verhältnis zwischen Forst und Jagd wurde als „derzeit problemlos“ bezeichnet. Auf absolutes Unverständnis stößt deshalb die Entscheidung der Österreichischen Bundesforste, die Fütterungen zu reduzieren oder ganz einzustellen, was zwangsläufig zu stärkerem Verbiss führen würde. „Wenn die Bundesforste nicht bereit sind zu füttern“, betonte LA Jakob Wolf, „werden wir die Republik zwingen müssen, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.“

Landesjägermeister Anton Larcher.
Landesjägermeister Anton Larcher.
- Ploder

Landesjägermeister Anton Larcher bezog zur laufenden Diskussion zur möglichen Zuwanderung von Wölfen Stellung. „Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Wolf nie vom Aussterben bedroht war“, so Larcher, „er muss dringend reguliert werden.“ Herbe Kritik übte Larcher an Natur- und Umweltschutzorganisationen, die das Thema Wolf als Marketinginstrument nützen würden.

„Derzeit leben in Österreic­h 15 bis 30 Wölfe, genaue Zahlen gibt es nicht“, so der Landesjägermeister weiter, „wenn nicht reguliert wird, sind es in zehn Jahren 500.“ Larcher fordert deshalb ein Maßnahmenbündel aus Monitoring, Management und Regulierung.

Gämsen und Wildsau.
Gämsen und Wildsau.
- Ploder



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