Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.05.2019


Gesellschaft

Volles Festzelt, aber weniger Besucher beim Gauder

Der Wintereinbruch fror auch die Besucherzahlen beim Gauder Fest ein. Wegen Überfüllung zeitweise geschlossen war indes das Festzelt.

Am Freitag- und Samstagabend war im Gauder-Festzelt die Hölle los. Mit ein Grund war das schlechte Wetter, das viele Besucher vom Festplatz ins Trockene zog.

© Zillertal BierAm Freitag- und Samstagabend war im Gauder-Festzelt die Hölle los. Mit ein Grund war das schlechte Wetter, das viele Besucher vom Festplatz ins Trockene zog.



Von Angela Dähling

Zell a. Z. – Das Gauder Fest gilt als Österreichs größtes Frühlingsfest, aber heuer wäre es auch als Winterveranstaltung durchgegangen. Dass sich die traditionsbewussten Tiroler auch von Schneestürmen und eisigen 3 Grad weder vom Feiern noch vom Aufmarschieren beim Umzug abbringen lassen, stellten sie eindrucksvoll unter Beweis. Wie berichtet, wurde der Festumzug wetterbedingt abgesagt. Daher säumten kaum Zuschauer die Straßen, als 2000 Trachtler es sich nicht nehmen ließen, dennoch durch den Ort zum Festzelt zu marschieren. „Dass von 123 Gruppen nur sechs bei der Absage des Umzugs nicht nach Zell kamen, ist schon beeindruckend“, sagt Veranstalter BM Robert Pramstrahler als Geschäftsführer der Freizeitpark Zell GmbH. Die Zuschauerzahlen blieben wetterbedingt weit hinter jenen des Vorjahres zurück, sagt er. Genaue Zahlen lagen gestern noch nicht vor. „Sonntag haben wir wegen der Festumzugabsage alle gratis ins Zelt gelassen“, erklärt Pramstrahler. Dort feierten dann die 2000 Trachtler sozusagen ihr eigenes Gauder Fest.

Auf dem Festplatz, wo die Zeller Vereine an diversen Ständen für die Verköstigung sorgten, hatte indes so mancher am Sonntag gar nicht mehr aufgesperrt. „Für die Vereine war das heuer sicher bitter“, resümiert Bürgermeister Pramstrahler. Dem Bierdurst tat das Winterwetter keinen Abbruch: „Die 50.000 Liter Gauder Bock sind gar“, teilt Zillertalbier-Chef Martin Lechner auf Anfrage mit.

Samstagnachmittag war auch am Festgelände noch viel los. Doch als gegen Abend das Wetter umschlug, drängte sich alles ins Festzelt. Pramstrahler: „Wir mussten es – und auch das Discozelt – ab ca. 21 Uhr für eine Stunde aus Sicherheitsgründen schließen.“ Einige Festbesucher wollten das nicht einsehen. „Wir hatten einen Pfefferspray-Einsatz wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt“, informiert Bezirkspolizeikommandant Romed Giner. Einige Raufereien, bei denen es zu Prellungen und Abschürfungen kam, sowie Anstandsdelikte, weil einige Herren im Freien statt auf den WCs den Dingen ihren Lauf ließen, finden sich in der Gauder-Bilanz der Polizei wieder. „Wir mussten aber nicht mehr als sonst einschreiten“, sagt Giner.

Das Polizeikommando in Schwaz führte zusammen mit der Landesverkehrsabteilung am Gauder-Wochenende auch Verkehrskontrollen durch. Dabei ging den Polizisten nur ein Autofahrer mit mehr als 0,8 Promille, aber dafür ohne Führerschein ins Netz. 72 Organmandate wurden laut Martin Waldner vom Bezirkspolizeikommando ausgestellt. Die meisten Gauder-Bock-Genießer setzten sich vernünftigerweise nicht hinters Steuer, sondern ins Taxi.

In der 50-km/h-Zone in Uderns hatten Polizisten in Zivil am Gauder-Wochenende viel zu tun: 199 Anzeigen gab es bei Geschwindigkeitsmessungen. Ein Lamborghini-Fahrer musste zudem eine Strafe im vierstelligen Euro-Bereich zahlen, weil er einen Laserblocker in sein Fahrzeug eingebaut hatte.