Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Innsbruck-Land

„Das 5-Euro-Wohnen ist kein Marketingschmäh“

Die Neue Heimat setzt in Baumkirchen ihren dritten 5-Euro-Wohnbau um. Was alle Partner betonen: Das Sparen gehe nicht zu Lasten der Qualität.

Stolz präsentierten der Baumkirchner Vizebürgermeister Bernhard Derfeser, Wohnbaulandesrätin Beate Palfrader und NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner (v. l.) gestern den geplanten neuen 5-Euro-Wohnbau.

© DomankigStolz präsentierten der Baumkirchner Vizebürgermeister Bernhard Derfeser, Wohnbaulandesrätin Beate Palfrader und NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner (v. l.) gestern den geplanten neuen 5-Euro-Wohnbau.



Von Michael Domanig

Baumkirchen – „Das Konzept des 5-Euro-Wohnens scheint sich trotz anfänglicher Skepsis durchzusetzen. Wir haben es nie als Marketingschmäh gesehen, sondern als langfristigen Beitrag für günstiges Wohnen“, meinte Hannes Gschwentner, Geschäftsführer der Neuen Heimat (NHT), gestern anlässlich des Spatenstichs für ein 5-Euro-Wohnprojekt in Baumkirchen.

Bis Sommer 2020 entstehen im Ortsteil Unterfeld 14 Mietwohnungen. Die Barmherzigen Schwestern haben der NHT dort ein Baurecht eingeräumt – sie werden in zwei größeren Wohneinheiten im Erdgeschoß auch acht Menschen mit besonderen Bedürfnissen betreuen. Für die NHT, die in Baumkirchen 2,8 Mio. Euro investiert, ist es der dritte 5-Euro-Wohnbau in Tirol: Der österreichweit erste wurde schon 2017 in Schwaz übergeben, ein weiterer ist in Haiming in Bau.

Die Frage leistbaren Wohnens betreffe inzwischen „alle Teile Tirols“ und auch den Mittelstand, betonte Wohnbaulandesrätin Beate Palfrader. Um derart günstigen Wohnraum schaffen zu können, brauche es vor allem drei Player: „Gemeinden, die behilflich sind, Gründe zu finden und zur Verfügung zu stellen – bzw. wie in diesem Fall Baurechtsgeber –, dazu Bauträger, die auch Eigenmittel einsetzen, und das Land Tirol, das erhöhte Wohnbauförderungsmittel ausschüttet.“ In Baumkirchen werde der Bruttomietzins 4,95 Euro/m2 monatlich betragen, „ohne Wohnbauförderung wären wir bei über zehn Euro“, macht Palfrader deutlich. Was sie hervorhebt: 5-Euro-Wohnungen seien von der Qualität her „vollkommen vergleichbar“ mit anderen Wohnungen, „nur wird eben auf bestimmte Dinge wie Tiefgaragen oder Kellerabteile verzichtet“.

„Das Sparen verschlechtert die Qualität nicht“, betont auch Architekt Georg Driendl, der das Konzept für die 5-Euro-Wohnungen gemeinsam mit NHT-Prokurist Engelbert Spiß entwickelt hat. In Baumkirchen entstehe ein moderner Hybridbau aus Stahlbeton und Holz im Passivhausstandard, mit flexibel anpassbaren Wohnungen, hochwertigen vorgefertigten Bädern und Komfortlüftung. Die Energieversorgung erfolgt über eine Luftwasserwärmepumpe und eine Photovoltaik-Anlage.

Rund um die Anlage entstehen 23 Pkw-Stellplätze, die Anbindung an Bus oder Bahn sei im südwestlichen Ortsteil Unterfeld sogar besser als im Dorf selbst, ergänzt Vize-BM Bernhard Derfeser. Die Nachfrage nach den Wohnungen – die besonders für junge Wohnungssuchende gedacht sind – sei erheblich: „Schon jetzt haben wir 35 Anfragen allein von Baumkirchnern.“

„Mit jedem neuen Projekt wird der Boden beackert, werden Ressentiments aufgeweicht“, bilanziert Geschwentner. Im Bezirk Innsbruck-Land ist derzeit übrigens bereits ein weiteres 5-Euro-Projekt in Umsetzung: Die Tigewosi realisiert in Inzing – mit kräftiger Unterstützung des Landes – eine Anlage mit 20 Mietwohnungen, die Übergabe ist für Spätherbst 2019 geplant.