Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Schwaz

Den Fuggern auf der Spur

Schwaz ist Station der neuen Kulturreiseroute „Europäische Fuggerstraße“.

Die Schwazer Delegation mit Fugger-Darstellern im Augsburger Rathaus, wo die Kulturreiseroute präsentiert wurde.

© Stadtgalerien SchwazDie Schwazer Delegation mit Fugger-Darstellern im Augsburger Rathaus, wo die Kulturreiseroute präsentiert wurde.



Schwaz – Vom sagenhaften Reichtum der Fugger, von ihren Geschäften mit Päpsten und Kaisern, Königen, Kurfürsten und Kardinälen hat wohl schon fast jeder einmal gehört. Doch wie das Augsburger Familienunternehmen zu dem Vermögen kam, das solche Geschäfte erst ermöglichte, ist weit weniger bekannt. Das soll sich jetzt ändern.

Vergangene Woche waren Vertreter der Stadt Schwaz, des Stadtmarketings Schwaz und des TVB Silberregion Karwendel bei der Präsentation der „Europäischen Fuggerstraße“ in Augsburg vertreten. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Marketing- und Vermarktungskooperation zum Thema Fugger. Die Augsburger Kaufmannsfamilie ist auch heute noch in der Silberstadt gegenwärtig. Unter anderem werden speziell zu diesem Thema interessante Spezialführungen angeboten.

Ab der Zeit um 1490 entstand der europaweite Bergbaukonzern der Fugger mit Erzgruben und Hüttenwerken in Tirol (vor allem in Schwaz und Sterzing), in Kärnten und in Neusohl in Oberungarn (Banská Bystrica in der heutigen Slowakei). Mit Gold und Silber, Blei und Galmei, vor allem aber mit Kupfer und Quecksilber schrieben Jakob Fugger „der Reiche“ und seine Nachfolger ein spannendes Kapitel der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Zu wesentlichen Standorten des Montankonzerns führt jetzt die „Europäische Fuggerstraße“. Diese neue Kulturreiseroute wurde von Regio Augsburg Tourismus GmbH in Kooperation mit den Städten Banská Bystrica in der Slowakei, Hall, Schwaz und Sterzing in Tirol sowie Bad Hindelang im Oberallgäu initiiert. Zu Zeiten der Fugger im Tiroler Bergbau war Schwaz im Inntal die (nach Wien) zweitgrößte Siedlung im heutigen Österreich. An die Bergleute – in Schwaz arbeiteten Tausende – erinnert die Knappenkirche: Für die Bergarbeiter wurde ein eigenes Kirchenschiff errichtet. In der Knappenkirche entdeckt man die Epitaphe dreier in Schwaz verstorbener Fugger, in der Altstadt findet man zwei ehemalige Fuggerhäuser. Im Haus der Völker befinden sich Manillas aus Schwazer Kupfer, die über den Handel der Fugger bis nach Afrika gelangten. Und im Kreuzgang des Franziskanerklosters zeigt eine Malerei Anton Fugger, der in die Münztruhe der Schwazer Faktorei greift, mit der er das Habsburgerreich rettete.

Das Silberbergwerk Schwaz ist ein Höhepunkt der „Europäischen Fuggerstraße“: Das Schaubergwerk galt als „Mutter aller Bergwerke“. (TT)




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