Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.05.2019


Tirol

Feuer frei wie vor 600 Jahren: „Kegelkugel“ flog 150 Meter

Viele Kugeln wurden aus dem Geschütz-Nachbau abgefeuert.

© Reinhard RovaraViele Kugeln wurden aus dem Geschütz-Nachbau abgefeuert.



So ein Knall war noch nie vom Schießstand beim Hochlager durch die Wattener Lizum gehallt. Archäologen der Uni Innsbruck experimentierten gestern mit dem Nachbau eines Geschützes aus dem 15. Jahrhundert und der dazu passenden Munition — Kugeln aus Keramik. Vor allem das Abfeuern der Munition, da waren sich alle Beteiligten rund um Harald Stadler vom Institut für Archäologie einig, dürfte zumindest für die vergangenen paar hundert Jahre einmalig gewesen sein.
Man hatte die Kugeln vor einigen Jahren bei Ausgrabungen bei Südtiroler Burgen entdeckt und anfangs für mittelalterliche Kegelkugeln gehalten. Es stellte sich aber heraus, dass damit Feinde abgewehrt werden sollten. „Für uns ist interessant, wie sich die Keramikkugel verhält. Und das könnte uns die Frage beantworten, ob diese Art der Munition eine waffentechnische Sackgasse war", erklärte Stadler. Dutzende Kugeln wurden abgefeuert. Eine Kugel flog 150 Meter weit. Und beim zehnten Versuch traf man das Ziel in 40 Metern Entfernung erstmals. Für Sören Specht, den Experten am Geschütz, ein Erfolg — so wie das Experiment für die Forscher. (chris)