Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.05.2019


Exklusiv

Aggressives Auftreten: Aufregung um Islam-Verein in Innsbruck

In Innsbruck sollen Mitglieder der Organisation Iman aggressiv missioniert haben. Diese streitet das vehement ab. Bürgermeister Georg Willi verurteilt solches Verhalten.

In sozialen Netzwerken wie Instagram bewirbt der Verein seine Aktivitäten massiv, wie hier am 22. April in der Maria-Theresien-Straße in der Innsbrucker Innenstadt.

© Screenshot/InstagramIn sozialen Netzwerken wie Instagram bewirbt der Verein seine Aktivitäten massiv, wie hier am 22. April in der Maria-Theresien-Straße in der Innsbrucker Innenstadt.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Eine Jugendliche und einige ihrer Freundinnen sollen in den vergangenen Wochen in der Innsbrucker Innenstadt mehrfach von Mitgliedern eines Islam-Vereins angesprochen worden sein, die einen aggressiven Gesprächston an den Tag gelegt hätten. Diese Vorwürfe erhebt die empörte Stiefmutter des Mädchens. Die muslimische Organisation nennt sich Iman, hat ihren Hauptsitz in Wien und weist die Anschuldigungen entschieden zurück.

„Während sie geredet haben, ist es wohl immer wilder geworden“, erzählt die Frau der Tiroler Tageszeitung die Schilderungen der 15-Jährigen nach. „Es wurden dann sogar Drohungen ausgesprochen, was den Ungläubigen passiert, wenn sie sich nicht bekehren lassen.“ Sie findet die angeblich angsteinflößenden Äußerungen „unglaublich“, besonders weil sie gegenüber „jungen und beeinflussbaren Menschen gemacht wurden. Wer weiß, wie oft diese auf fruchtbaren Boden fallen, weil sich die Jugendlichen einschüchtern lassen.“

In einer schriftlichen Stellungnahme distanzieren sich die Verantwortlichen von Iman von jeglichem aggressiven Verhalten: „Wir können diese Versuche der Diffamierung gelassen in die Schranken weisen, da wir die Dialoge an den Veranstaltungsorten aufzeichnen. Unsere Arbeit ist transparent bei unseren Profilen in den sozialen Netzwerken zu verfolgen und zu evaluieren.“ Man verurteile Extremismus und jegliche Form von psychischer und physischer Gewalt. Bei den Mitgliedern von Iman handle es sich „um österreichische Muslime, die als Volontäre in dieser Aufklärungsarbeit tätig sind“, heißt es in dem Schreiben. In Innsbruck habe die 2014 gegründete Organisation schon mehrere Veranstaltungen durchgeführt. Fotos, die im Internet verbreitet wurden, bestätigen das. Weitere Aktionen seien geplant.

Die Stiefmutter des Mädchens, das aus dem Tiroler Unterland stammt, unterstellt dem Verein außerdem, dass er auf der Internet-Plattform Instagram „gezielt nach Jugendlichen sucht, um dort die Videos auf ihrem YouTube-Kanal zu bewerben“. Bei Beiträgen der 15-Jährigen und auch bei ihren Freundinnen seien entsprechende Nachrichten aufgetaucht. Auch dieses Vorgehen bestreitet Iman im schriftlichen Statement gegenüber der TT kurz und knapp: „Dieses Ereignis ist uns nicht bekannt.“

Bei der Stadt Innsbruck weiß man nichts von den Tätigkeiten der Gruppe. „Dass solche Gruppen durch Innsbruck ziehen, ist mir bekannt, der Iman-Fall sagt mir aber nichts“, erläutert Elmar Rizzoli, Chef der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG). Auch in anderen Abteilungen wurden die Veranstaltungen nicht angemeldet. Der Islam-Verein behauptet, dass alle Informationsstände und Aktivitäten „laut dem Versammlungsgesetz an der jeweiligen LPD angezeigt wurden“. Dort konnte das gestern weder bestätigt noch dementiert werden.

„Sollte sich das Phänomen ausweiten, dann muss man sich überlegen, wie man damit umgeht.“ - Georg Willi
(BM Innsbruck)
„Sollte sich das Phänomen ausweiten, dann muss man sich überlegen, wie man damit umgeht.“ - Georg Willi
(BM Innsbruck)
- Jakob Gruber

Sollte wirklich penetrant missioniert und Drohungen ausgesprochen worden sein, dann „ist das nicht richtig“, findet Innsbrucks grüner Bürgermeister Georg Willi. „Grundsätzlich ist es so, dass in Österreich Religionsfreiheit herrscht. Das schließt ein, dass auch jede Gruppierung für sich werben darf. Schlägt das aber ins Aggressive um, dann ist das nicht in Ordnung“, sagt Willi. Es verhalte sich mit den Versuchen, Menschen von der eigenen Religion zu überzeugen, ähnlich wie mit dem Betteln, meint der Bürgermeister. Wer sich zurückhaltend verhalte und niemandem zu nahe trete, habe nichts zu befürchten. Alles andere ginge zu weit.

Und nun? Wird die Stadt einen genaueren Blick auf die Situation werfen? Willi will erst abwarten, wie es sich entwickelt, da die Vorfälle noch nicht lang bekannt seien. „Sollte sich das Phänomen aber ausweiten, dann muss man sich überlegen, wie man damit umgeht.“