Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 19.05.2019


Exklusiv

Kuh-Schilder am Berg ja, aber nicht zu viele

Seit Kurzem werden neue Schilder für Almbauern ausgegeben. Die Nachfrage ist groß. Für Unverständnis sorgt indes eine Kuh-Kuss-Challenge.

Droht in den Tiroler Bergen ein Schilderwald? Links die neuen Tafeln für die Almbauern, rechts Wegweiser für Bergwege.

© irene rappDroht in den Tiroler Bergen ein Schilderwald? Links die neuen Tafeln für die Almbauern, rechts Wegweiser für Bergwege.



Von Liane Pircher, Irene Rapp

Innsbruck – Wo soll man abzäunen? Welche Schilder aufstellen? Die erste große Verunsicherung nach dem aufsehenerregenden Kuh-Urteil zu Jahresbeginn hat sich gelegt. Demnach soll jener Landwirt, dessen Kühe 2014 eine Wanderin im Stubaital zu Tode getrampelt haben, 180.000 Euro sowie eine monatliche Hinterbliebenenrente an einen Deutschen und dessen Sohn bezahlen.

In den vergangenen Wochen wurden die Landwirte daher einmal mehr umfassend aufgeklärt. „Wir haben in den Bezirken zu Infoabenden eingeladen, ein Großteil der Almbauern hat daran teilgenommen“, sagt Josef Lanzinger, Obmann des Almwirtschafts­vereins.

Seit wenigen Tagen werden auch die von einer Arbeitsgruppe ausgearbeiteten neuen Schilder für die Almbauern ausgegeben. Vor allem jenes mit der Aufschrift „Mutterkühe“ werde gut nachgefragt und sei vor allem bei den 500 Almen in Tirol mit Mutterkühen ein Thema. Die Kosten dafür übernimmt erstmals das Land – „rund 10.000 Tafeln wurden produziert“, sagt Dieter Stöhr vom Amt der Tiroler Landesregierung.

Einen Schilderwald im alpinen Raum will man aber vermeiden, hängen ja bereits viele Tafeln mit der Aufschrift „Weidevieh“ im Gelände. „Wir informieren genau, wo es Sinn macht zu beschildern“, sagt Lanzinger. Ähnliche Bedenken hat Stöhr. „Hängen zu viel­e Schilder, werden dies­e nicht beachtet.“ Ihm schwebt daher anderes vor: „Man soll auf digitalem Kartenmaterial sofort sehen, wo es Almen mit Mutterkuh­haltung gibt“, berichtet er. Diese Infos könnte man z. B. über die Homepage des Landes abrufen. Derzeit müssen aber noch rechtliche Fragen geklärt werden.

Dass auf Almen verstärkt auf neue und mehr Schilder gesetzt wird, kann man seitens des Alpenvereins verstehen. Schließlich gebe es bereits aus dem Jahre 2008 eine OGH-Aussage bezüglich Beschilderung im Falle einer Mutterkuhhaltung auf Almen: „Wichtig ist uns aber, dass es ein einheitliches System und keine wilde ,Möblierung‘ der Alpen gibt“, erklärt Peter Kapelari als Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie.

Allergisch reagiert man beim Österreichischen Alpenverein allerdings auf ein Zuviel an Beschilderung von touristischen Themenwegen. Hier bestehe die Gefahr, „dass Jahre später sonnenvergilbte Tafeln mitten in der Natur herumstehen, die keiner mehr liest und um die sich keiner kümmert“, so Kapelari. Das sei dann im Prinzip nur noch Müll am Berg. Aus seiner Sicht müsse auch nicht jeder Trail-Running-Weg ausgeschildert sein: „Wir sprechen uns hier als Wegerhalter eher für kleine Piktogramme auf bestehenden Tafeln aus.“

Zurück zu den Almen – genauer gesagt zu einer Kuh-Kuss-­Challenge, die seit Tagen in den sozialen Medien für Aufsehen sorgt. Für einen guten Zweck sollen Küh­e geküsst werden – „mit oder ohne Zunge“. Mit Unverständnis reagiert darauf Lanzinger: „Das ist komplett widersinnig“, so sein Kommentar.

Wobei er schon vieles gesehen hat: dass schottische Hochlandrinder für ein Foto an den Hörnern genommen würden oder man Kinder auf den Rücken von liegenden Rindern setze. Dass das auch gefährlich sein kann, werde einfach ausgeblendet.