Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Bezirk Kufstein

„Wollen kein Emanzentum, aber für Frauen nur das Beste“

Der Kufsteiner Soroptimist Club feiert sein 25. Jubiläum. „Man muss nach wie vor intensiv auf Frauen schauen“, mahnt Gründungsmitglied Kettner.

Dorothea Kettner war seit der ersten Stunde des Kufsteiner Clubs mit dabei. Das „Frausein“ habe sich verändert, so die Soroptimistin.

© HrdinaDorothea Kettner war seit der ersten Stunde des Kufsteiner Clubs mit dabei. Das „Frausein“ habe sich verändert, so die Soroptimistin.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Bewusst machen, Stellung nehmen, handeln. Das sind die drei Prinzipien, auf denen der Club der Soroptimistinnen weltweit fußt. Immer im Fokus dabei: Frauen und Themen, die sie im Speziellen treffen. In Kufstein feiert der Serviceverein heuer sein 25-jähriges Bestehen. Seit der Gründung habe sich das Bild der Frau in der Öffentlichkeit noch einmal gewandelt, erklärt Gründungsmitglied Dorothea Kettner im Gespräch mit der TT.

„Männerclubs waren damals selbstverständlich. Dass in Kufstein aber ein Frauenclub dazukam, wurde nicht von allen begrüßt“, erinnert sich die ehemalige Fachvorständin der HLW Kufstein. Heute seien Frauen in öffentlichen Ämtern salonfähig, „sie müssen aber auch viel arbeiten, damit man sie sieht“, meint Kettner.

Die Hilfe, die die Frauenorganisation anbietet, reicht von finanzieller Unterstützung von Einzelschicksalen (z. B. der Kauf eines Rollstuhls) bis zur Etablierung neuer Anlaufstellen für Schutzsuchende. Unlängst gelang es, am BKH Kufstein eine kostenlose Sprechstunde für Essgestörte und Angehörige einzurichten (in der Regel 14-tägig jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr). Eines der ersten Projekte war die Unterstützung des damaligen Danzlhofs in Wörgl. Dort wurden alleinstehende Frauen kurz vor oder nach der Geburt eines Kindes aufgenommen. „Wir sind nicht auf Emanzentum aus, aber wir wollen das Beste für Frauen erreichen“, sagt die 71-Jährige.

Nicht nur das Engagement der Freiwilligen war für die vielen Projekte notwendig, sondern auch Geld. Sehr viel Geld. 276.000 Euro spendeten die Kufsteiner Soroptimistinnen nach eigenen Angaben in den vergangenen 25 Jahren. Konzerte, Lesungen, Kino-Matinees – um Geld für ihr Tun zu sammeln, laden die Mitglieder übers Jahr verteilt immer wieder zu Veranstaltungen. Auch beim Kaiserfest und beim Weinfest werden sie heuer wieder mit Ständen dabei und damit nicht die Einzigen sein: Fünf internationale Serviceclubs gibt es in der Festungsstadt, daneben zahlreiche andere Hilfseinrichtungen, die immer wieder um Spenden bitten. Gräbt man sich da nicht gegenseitig die Gönner ab? Nein, meint Kettner. Mit Kiwanis, Lions, Round Table 49 und Rotary stehe man über die gemeinsame Plattform „Gemeinsam helfen“ im regen Austausch.

Zahlen und Fakten

Geburtsstunde. Der erste Soroptimist Club wurde 1921 in Kalifornien (USA) gegründet, in Österreich etablierte sich erstmals 1929 eine Abordnung in Wien. Bundesweit gibt es 58 Clubs mit 1800 Mitgliedern. In Kufstein sind es derzeit 33 Aktive.

Mitgliedschaft. Wer Teil des Clubs werden möchte, muss von einem aktiven Mitglied vorgeschlagen werden. Die Aufnahme muss zudem einstimmig beschlossen werden. Dazu ist ein Jahresbeitrag von 150 Euro zu leisten.

Bedeutung. Der Name Soroptimist stammt aus dem Lateinischen „sorores ad optimum". Frei übersetzen kann man dies mit „Frauen, die das Beste anstreben".

Von Gleichberechtigung bis Frauenpower – weibliche Themen sind in der Gesellshaft präsent. Was bringt’s? „Es wird nur geredet, aber nichts getan“, kritisiert Kettner. Und da wären wir wieder beim Geld. Einkommen – an dieser Schraube würde Kettner als Erstes drehen, um Not- und Missstände für Frauen zu beenden. „Es wäre wichtig, dass auch alleinerziehende Frauen ohne Job genug Geld für sich und ihre Kinder hätten“, sieht sie Optimierungsbedarf bei Sozialhilfe und Löhnen. Auch beim Thema Pension. „Viele Frauen haben ihr Leben lang gearbeitet und trotzdem nicht genug, um in der Pension gut leben zu können.“