Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.05.2019


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Liftgegner: „Feldringer Böden gehören unter Schutz gestellt“

Liftgegner Gerd Estermann hält „Öko-Region Kühtai-Hochoetz“ unter Einbeziehung von Grundbesitzern und Gemeinden für möglich.

Naturliebhaber Gerd Estermann glaubt, dass eine Öko-Region Kühtai-Hochoetz mit einer Ruhezone Feldringer Böden mit intensiver touristischer Nutzung in den beiden Skigebieten unter einen Hut zu bringen ist.

© Florian DornauerNaturliebhaber Gerd Estermann glaubt, dass eine Öko-Region Kühtai-Hochoetz mit einer Ruhezone Feldringer Böden mit intensiver touristischer Nutzung in den beiden Skigebieten unter einen Hut zu bringen ist.



Von Thomas Parth

Oetz, Haiming, Silz – Die Liftehe Kühtai-Hochoetz ist, laut Liftgegner Gerd Estermann, „praktisch vom Tisch“. Seine Petition gegen das Projekt der beiden Bergbahnen (mit aktuell über 17.000 Unterstützern) bewegte die Betreiber dazu, ihr Anliegen zurückzuziehen. Erst kürzlich wurde „Beirat-Zukunft.at“ ins Leben gerufen, um die „naturverträgliche und nachhaltige Entwicklung der Region“ auf breiterer Basis zu diskutieren.

Nun greift Gerd Estermann einen Vorschlag des Haiminger Bürgermeisters Josef Leitner auf. Dieser hatte in der Gemeinderatssitzung vom 15. Dezember 2018 angeregt, die Feldringer Böden unter Schutz zu stellen. Man werde „verstärkt Anstrengungen unternehmen, um eine Unterschutzstellung des Naturjuwels Feldringer Böden und Schafjoch zu erreichen. Dabei geht es um einen dauerhaften Schutz der Region und ein Ende der Erschließungsbestrebungen“, formuliert Estermann seine Vorstellung. Für ihn steht die Schutzwürdigkeit des Gebietes außer Zweifel.

Ohne die Grundbesitzer sei ein derartiges Vorhaben allerdings nicht zu realisieren, weiß Estermann. Er stellt monetäre Anreize für die Besitzer der Weidegründe in Aussicht: „Sollte es tatsächlich zur Errichtung eines Schutzgebietes kommen, müssten die Grundbesitzer selbstverständlich angemessen entschädigt werden. Nach ersten Erkundigungen gibt es dafür eine Reihe von Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden könnten“, weiß Estermann. Er sieht sein Ziel in Übereinstimmung mit der Alpenkonvention, welche die Ausweisung von Ruhegebieten als Pufferzone zwischen touristisch „intensiv genutzten Gebieten“ fordert.

„Wir haben mit der Gründung des Beirates von Anfang an gesagt, dass wir nicht per se gegen ein sinnvolles Konzept sind“, macht der Oezter Bürgermeister Hansjörg Falkner deutlich. Sogar eine Unter-Schutz-Stellung käme für ihn in Frage. „Nur momentan gehen wir davon aus, dass es langfristig kein Überleben ohne einen Zusammenschluss geben kann“, erläutert Falkner, der Bürgermeister und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Bergbahnen Hochoetz ist. „Mit einem Vorpreschen muss ich leben, allerdings habe ich mir schon vorgestellt, im Zuge des Dialogs die Richtung festzulegen. Eine Unter-Schutz-Stellung habe ich in meiner Ära noch nie gemacht. Da sind zuerst die Grundeigentümer am Zug, ob sie sich das vorstellen können“, sieht Falkner den Vorstoß Estermanns skeptisch: „Wenn eine Lösung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist, lassen wir uns gern widerlegen.“


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