Letztes Update am Mi, 05.06.2019 09:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Petition gegen schmerzende Füße

„#KuToo“: Japanerinnen kämpfen gegen die Pflicht, High Heels zu tragen

Für berufstätige Frauen in Japan gehören High Heels zur Standardkleidung. Sie zu tragen, ist ein Muss. Flache Schuhe sind verpönt, auch wenn sie häufig praktischer und bequemer wären. Doch nun regt sich Widerstand.

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Tokio – In Japan hat eine Frau eine Petition gestartet, mit der sie High Heels aus der Kleiderordnung verbannen will. Yumi Ishikawa hatte in einem Bestattungsunternehmen gearbeitet und wurde dort angehalten, hohe Schuhe zu tragen, berichtet BBC.

Inzwischen haben bereits 19.000 Menschen die Petition unterschrieben, in der die Abschaffung solcher Vorgaben gefordert wird. Viele Unternehmen in Japan verlangen völlig selbstverständlich, dass ihre weiblichen Angestellten in High Heels arbeiten. Ishikawa schrieb bei Twitter, sie hoffe, dass diese Regel endlich abgeschafft werde. Der britischen Telegraph zitiert die 32-Jährige mit den Worten: „Als mir klar wurde, dass so viele Menschen mit dem gleichen Problem konfrontiert sind, habe ich beschlossen, die Kampagne zu starten.“

Viele andere Frauen leiden auch

Ihr Tweet wurde inzwischen mehr als 65.000 Mal geteilt, viele Frauen berichteten von eigenen Erfahrungen mit dem oft unbequemen, unpraktischen und keineswegs immer freiwillig gewählten Schuhwerk. Ishikawa verwendete dabei den Hashtag #KuToo, bei dem es sich um ein Wortspiel aus den Wörtern „Kutsu“ für Schuhe und „Kutsuu“ für Schmerz handelt. Außerdem lehnt es an die MeToo-Debatte an.

Die Ergebnisse der Petition stellte Ishikawa bei der Abteilung für Chancengleichheit im japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales vor. Ein Beamter sagte nach dem Treffen, auch Männer seien Kleiderregeln unterworfen. Sie müssten häufig Krawatten und Lederschuhe tragen. „Wenn sich der gesunde Menschenverstand oder die Vorstellungen über Verhaltensweisen in der Gesellschaft ändern, können sich die Regeln ändern“, so der Beamte. Der Zeitung Japan Times zufolge fällt die Petition genau in die Zeit, in der sich viele Hochschulabsolventinnen um Jobs bewerben. Dabei gehören Schuhe mit hohen Absätzen zum Dresscode für Frauen.

Japan belegt im Index des Weltwirtschaftsforums, der den Grad der Gleichstellung der Geschlechter misst, Platz 110 von 149 Ländern. Bei der Gleichstellung der Geschlechter rangiert das Land unter den G7-Ländern auf dem letzten Platz, obwohl Ministerpräsident Shinzo Abe versprochen hat, berufstätige Frauen durch das Programm „Womenomics“ zu stärken. (TT.com)