Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Bezirk Reutte

Teenager im Außerfern verschenkten Freizeit

17 Schüler tauschten bei Schulprojekt freie Zeit gegen gesellschaftliche Verantwortung.

Bei der Abschlussfeier gab es für die engagierten Jugendlichen Zertifikate, auf die sie zu Recht stolz sein können.

© NikolussiBei der Abschlussfeier gab es für die engagierten Jugendlichen Zertifikate, auf die sie zu Recht stolz sein können.



Von Hans Nikolussi

Reutte – „In Zeiten von Entsolidarisierung kommt dem freiwilligen Engagement immer mehr Bedeutung zu. Jemandem zuhören, mit alten Menschen spazieren gehen, mit Bedürftigen kreativ arbeiten oder einfach nur für andere da sein. Durch all diese Tätigkeiten übernahmen junge Menschen gesellschaftliche Verantwortung“, meinte Sieglinde Breuss, Freiwilligenkoordinatorin des Bezirks, bei der Abschlussfeier der Aktion „Zeit schenken“, ein Schulprojekt von Gymnasium und Handelsakademie Reutte.

Nicht nur Lehrbücher, Stunden­plan, Computer und Smartphone dominierten im laufenden Schuljahr den Tagesablauf junger Menschen an den Bildungsanstalten. 17 von ihnen – 13 aus dem Gymnasium, vier aus der HAK – hatten sich entschlossen, mitzumachen und Zeit zu verschenken.

Organisiert von Ferenc Racz, Christine Racz-Mair und dem Freiwilligenzentrum sammelten sie Erfahrungen im Weltladen, beim Tierschutzverein, in den Seniorenzentren, in der Bücherei, im Eltern-Kind-Zentrum und in der Kinderkrippe Mühlmäuse. Über einen Zeitraum von sechs Monaten neben einem vollen Stundenplan wöchentlich noch zwei Stunden freiwillig in soziales Engagement zu investieren, verdient mehr als Anerkennung. Dass Schulen heute keine verstaubten Lehreinrichtungen mehr sind und die soziale Komponente Eingang findet, wurde bei der Feierstunde mit Nachdruck festgestellt. „Zeit ist das schönste Geschenk, das man einem Menschen machen kann“, lautete die Devise.

Die Jugendlichen ihrerseits bewerteten die Begegnungen mit dem Ehrenamt im sozialen Dienst als persönliche Bereicherung. „Von freundlichen Gesprächen bis zu kleinen Auseinandersetzungen war alles dabei. Also eigentlich ganz genau so, wie in jeder anderen Altersklasse auch“, schilderte Selina-Michelle Steinmetz aus der 6B ihre Arbeit im „Haus Ehrenberg“. „Mein Schwerpunkt lag auf den Reinigungsarbeiten, welche aber aufgrund des direkten Kontaktes zu den Tieren mit viel Spaß verbunden waren. Ich durfte auch viel eigenverantwortlich arbeiten“, erzählte „Gymelerin“ Katrin Eberle aus der 8B über ihren Einsatz beim Tierschutzverein. „Meine Tätigkeit im Weltladen Reutte war ein toller Kontrast zu meinem Schulalltag“, sagt Eva-Marie Lochbihler aus der 8B. Für manche also könnte es auch zu Überlegungen geführt haben, vielleicht die Ausbildung in eine solche Richtung zu lenken.

Als Anerkennung erhielten die „Zeitspender“ Zertifikate, auf die sie stolz sein dürfen.