Letztes Update am Mi, 12.06.2019 07:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Oberstufe

Ergebnisse der Zentralmatura: Rauskalas erste Audienz

Die Neo-Bildungsministerin präsentiert die Zentralmatura-Resultate. Die in Mathematik sind besser als jene im Jahr davor. Die Ressortchefin ortet eine „Trendumkehr“.

Bildungsministerin Iris Rauskala.

© APABildungsministerin Iris Rauskala.



Von Karin Leitner

Wien – Bis dato hat sie im Hintergrund gewerkt, nun steht sie vorn. Iris Rauskala hat die Präsidialsektion im Bildungsministerium geleitet, nun führt sie dieses.

Und sie ist die erste aus dem Expertenkabinett von Kanzlerin Brigitte Bierlein, die sich seit der Angelobung am 3. Juni bei einer Pressekonferenz inhaltlich äußert. Im „Audienzsaal“ ihrer Arbeitsstätte auf dem Wiener Minoritenplatz tritt sie auf. Die Ergebnisse der heurigen Zentralmatura in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik erläutert sie. Unsicher, nervös ist Rauskala nicht – auch wenn sie, angelehnt an den Silvester-Klassiker „Dinner for One“ sagt: „The same procedure as every year ist das hier nicht. Für mich ist es eine Premiere.“

Seit vier Jahren gibt es die einheitliche Reifeprüfung. Im Vorjahr war die Aufregung ob der schlechten Resultate bei der Mathematik-Matura groß. An den allgemeinbildenden höheren Schulen haben 22 Prozent der Jugendlichen einen Fünfer bekommen, an den berufsbildenden höheren Schulen 19 Prozent. An den Gymnasien gab es damit bei der schriftlichen Prüfung doppelt so viele Fünfer wie in den Jahren 2015 und 2017.

Und so bat der damalige Bildungsminister Heinz Faßmann den einstigen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz, sich der Sache anzunehmen. Bei Gesprächen mit Schülern, Eltern und Lehrern eruierte dieser, warum so viele gescheitert sind. Eines der Erkenntnisse: Die Angaben bei den Mathematikaufgaben sollten einfacher formuliert und kürzer sein. Das waren sie beim diesjährigen Termin am 8. Mai. Der Beurteilungsschlüssel ist ebenfalls modifiziert worden.

Die Ergebnisse sind besser geworden. In den AHS haben nach den mündlichen Kompensationsprüfungen 95 Prozent der Schüler die Mathematik-Matura geschafft. Nach dem schriftlichen Teil hatten 11,2 Prozent ein „Nicht Genügend“. Rauskala hofft, dass das eine „Trendwende“ bedeutet. In Deutsch haben rund ein Prozent der Maturanten einen Fünfer bekommen, in Englisch zwei (AHS) bzw. drei Prozent (BHS).

Nach wie vor gibt es geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede. Mehr AHS-Schülerinnen als -Schüler haben in Deutsch reüssiert. 51 Prozent der Mädchen haben ein „Sehr Gut“ oder „Gut“ erreicht, von den Burschen 41 Prozent. In Mathematik sind nur knapp 24 Prozent der Mädchen mit einem „Sehr Gut“ oder „Gut“ bewertet worden, aber knapp 34 Prozent der Buben. In Mathematik waren an den AHS 5,9 Prozent der Mädchen und 3,2 Prozent der Burschen nach der Kompensationsprüfung negativ. Ähnliche Leistungsdifferenzen gab es an den BHS.

Im Bundesländervergleich hat Oberösterreich den Spitzenplatz gehalten. In Mathematik haben 10,7 Prozent der AHS-Maturanten einen Einser und 7,1 Prozent (drei Prozent nach der Kompensationsprüfung) einen Fünfer. Die meisten Fünfer in Mathematik gab es in Salzburger (7,6 Prozent nach der Kompensationsprüfung) und Wiener AHS (6,5). Bei den BHS hat Oberösterreich in Mathematik (8,1 Prozent Einser) Konkurrenz von der Steiermark bekommen (8,0). Die meisten „Nicht Genügend“ (nach der Kompensation) in Mathematik an den BHS sind in Wien (6,6 Prozent) und Tirol (6,5) vergeben worden.

Unterschiedlich sind die Zentralmatura-Resultate auch je nach Schulform. In den Oberstufenrealgymnasien sind sie schlechter als in der AHS-Langform. In Mathematik erreichten in diesem Schultyp 31 Prozent der Schüler ein „Sehr Gut“ oder „Gut“, 3,8 Prozent sind negativ. Im ORG bekamen 19,1 Prozent die beiden besten Noten, 7,4 Prozent einen Fünfer. Scholz, der bei der Präsentation an Rauskalas Seite steht, sagt: „Ich warne davor, mit Begriffen wie ,gute‘ oder ,schlechte Schule‘ zu operieren.“ Speziell in den Oberstufenrealgymnasien kümmerten sich die Lehrer um Schüler „aus bildungsfernen Schichten“, die sie „von weit hinter der üblichen Startlinie abholen und bis zur Matura bringen“.

Ministerin Rauskala qualifiziert die Zentralmatura als „Mammutprojekt“. Ob eines solchen könnten sich die Ergebnisse „nicht von einem Jahr auf das andere sensationell verbessern“. Es müsse „über viele Jahre feinjustiert und verbessert werden“.

Wie hält sie es mit anderen Projekten ihres Vorgängers? „In ruhiger und unaufgeregter Art und Weise“ wolle sie diese „weitertreiben“, sagt Rauskala. Deutschförderklassen („Es gibt keine Überlegungen, davon abzuweichen“) und Time-out-Klassen („Ab dem Herbst soll es Pilotversuche geben“) etwa.

Ihr Amtsverständnis beschreibt sie so, wie das auch die Kanzlerin und die übrigen Minister der jetzigen Regierung tun: „Verwaltung dient in erster Linie dem Gemeinwohl. Wir haben den Auftrag, uns darum zu kümmern, dass in dieser Zeit der Übergangsregierung die Dinge weiterhin gut laufen. Das bedeutet, dass wir durchaus dort gestalten, wo es notwendig ist – und verwalten, wo das reicht.“ Es sei nicht möglich, „den Supertanker Bildungssystem auf Stopp zu stellen“.

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