Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.06.2019


Osttirol

Neue Gradonna-Kapelle in Kals sorgt für Verwirrung

Schultz Gruppe preist die neue „Maximilian Kapelle“ für Trauungen an. Doch die Diözese führt solche in Privatkapellen gar nicht durch.

Das Gradonna Mountain Resort in Kals ist ein Vier-Sterne-plus-Haus. Die Schultz Gruppe als Eigentümer will ihren Gästen mit einer neuen Kapelle auch die Möglichkeit einer Trauung oder Taufe anbieten.

© EXPA/ Johann GroderDas Gradonna Mountain Resort in Kals ist ein Vier-Sterne-plus-Haus. Die Schultz Gruppe als Eigentümer will ihren Gästen mit einer neuen Kapelle auch die Möglichkeit einer Trauung oder Taufe anbieten.



Von Catharina Oblasser

Kals a. Gr. – Die Dichte an Gotteshäusern in Tirol ist groß, und es ist selten, dass neue Kirchen oder Kapellen hinzugebaut werden. Die Schultz Gruppe der gleichnamigen Zillertaler Liftbetreiber-Familie plant jedoch genau das in Osttirol. Direkt neben dem Gradonna Mountain Resort, einer Vier-Sterne-plus-Anlage in Kals am Großglockner, entsteht gerade die „Maximilian Kapelle“. Der kleine Bau aus Holz und Glas bietet rund 20 Besuchern Platz. Ab August soll er benützbar sein.

Der Name kommt nicht von ungefähr. Mehr dazu weiß Maximilian Schultz, Juniorchef der Gruppe. „Die Kapelle ist auch nach mir benannt, aber nicht nur. Heuer wird in Tirol das Maximilian-Jahr gefeiert, das war auch ein Grund für die Namensgebung.“

Der Zweck der neuen Kapelle wird in einer Aussendung der Schultz Gruppe so beschrieben: „Ab August können sich Verliebte in der neuen Hochzeitskapelle nahe des Resorts das Ja-Wort geben.“ Martha Schultz, Mitinhaberin der Schultz Gruppe, teilt in der Aussendung mit: „Mit dem Bau der neuen Hochzeitskapelle bieten wir künftigen Ehepaaren vom Trauungsort über die Hochzeitsfeier bis hin zur Übernachtung ein Rundum-Paket an. In Osttirol finden sie inmitten der Berge eine wunderschöne Location.“ Auch für Taufen oder besinnliche Stunden sei die „Maximilian Kapelle“ geeignet, heißt es, und sie werde „im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet“, bevor Trauungen oder Taufen stattfinden. Welcher Pfarrer diesen Gottesdienst zelebriert, könne man noch nicht sagen, heißt es auf Nachfrage der TT.

Nicht nur der Name des Geistlichen ist unklar, sondern auch die Bestimmung der Kapelle an sich. Michael Gstaltmeyr, Pressesprecher der Diözese Innsbruck, erklärt dazu: „In Tirol führt die Diözese gar keine Trauungen oder Taufen in privaten Kapellen durch.“ Ein Grund sei, dass die katholischen Pfarren Wert auf die Einbindung des Brautpaares bzw. der Tauffamilie in die Gemeinde legen. Deshalb würden diese beiden Sakramente nur in öffentlichen Kirchen gespendet. „Mit einigen seltenen Ausnahmen“, wie Michael Gstaltmeyr hinzufügt.

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Auch standesamtliche Hochzeiten werden in der „Maximilian Kapelle“ nicht stattfinden. Die Kalser Bürgermeisterin Erika Rogl erklärt, dass Trauungen nur in Amtsräumen vorgenommen werden. „Es gibt zwar immer wieder Wünsche, zum Beispiel auf dem Gipfel des Großglockners zu heiraten, doch das lehnen wir ab“, meint die Bürgermeisterin. „Auch andere Standesämter in Osttirol halten das so.“