Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Bezirk Kufstein

„Auto-Treffs“ stören Wörgls Nachtruhe

Anrainer rund um den Wörgler Bahnhof sind verzweifelt. Nachts werden sie regelmäßig von Motorenlärm, Musik und quietschenden Reifen aus dem Schlaf gerissen.

Reifen absichtlich quietschen zu lassen fällt unter den Tatbestand eines unsachgemäßen Gebrauchs eines Fahrzeugs.

© Getty Images/iStockphotoReifen absichtlich quietschen zu lassen fällt unter den Tatbestand eines unsachgemäßen Gebrauchs eines Fahrzeugs.



Kufstein – Der Puls schießt in die Höhe, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. „Der Ärger über die Rabauken auf der Straße frisst einem Löcher in den Magen“, klagt ein Anrainer der Wörgler Poststraße, der nachts regelmäßig von quietschenden Reifen und lauter Musik geweckt wird. Und damit ist er nicht allein. Seit Wochen melden sich immer wieder Bewohner rund um den Bahnhof und reden von einer „Ohnmacht gegen die illegalen Autotreffs“.

Es sei eine überschaubare, allerdings unüberhörbare Gruppe von meist jungen Männern, die sich in den Abend- und Nachtstunden am Busparkplatz vor dem Bahnhof trifft. Schreie, laute Musik und Motorengeräusche inklusive. Lange bleiben die Besitzer der meist sportlichen Wägen mit lauten Auspuffen nicht, ihre Abfahrt verkünden sie laut mit quietschenden Reifen. Dass sie mit hoher Geschwindigkeit eine „Ehrenrunde“ im neuen Kreisverkehr zur KR Martin-Pichler-Straße drehen, sei keine Seltenheit. Aber auch die Polizei wird der Lage nicht Herr.

„Wir sind verzweifelt und wissen nicht mehr weiter. Wir überlegen bereits, umzuziehen“, meint eine 34-jährige Wörglerin. Bis die Exekutive eintreffe, seien die Rowdys nämlich längst über alle Berge.

Bei der Polizeiinspektion Wörgl ist man auf Nachfrage der TT von dem geschilderten Ausmaß des Problems überrascht. Für Inspektions-Chef Franz Hohlrieder sei „das alles relativ neu“. Zwar gebe es immer wieder Beschwerden über Lärm aus umliegenden Lokalen, die eine späte Sperrstunde haben. „Hier kommt es immer wieder zu Anzeigen“, sagt Hohlrieder. Aber das Problem mit den nächtlichen Autotreffs sei ihm neu.

In jedem Fall die Polizei rufen, lautet seine Empfehlung. Denn abgesehen von nächtlicher Ruhestörung – sollte laute Musik und Geschrei im Spiel sein –, wäre mit den quietschenden Reifen der Tatbestad eines unsachgemäßen Gebrauchs eines Fahrzeuges jedenfalls gegeben.

Aus den Verkehrssündern werden brave Lämmer, sobald sich Polizeiautos nähern, das sei auch Hohlrieder bewusst. „Wenn möglich, sollte man die Szenen mit dem Handy filmen“, rät der Polizeichef. Und sich natürlich das KFZ-Kennzeichen notieren. Eine Privatanzeige auf der Polizeiinspektion zu machen, wäre der nächste wichtige Schritt. „Das dauert auch nur fünf Minuten“, so Hohlrieder. (jazz)