Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Bezirk Landeck

Zammer Psychiatrie-Team bleibt auf Wachstumskurs

2018 wurden in der Psychiatrie-Ambulanz 1121 Patienten behandelt und zudem 230 in der Tagesklinik betreut. Team sieht steigenden Bedarf.

In der Psychiatrie-Ambulanz am KH St. Vinzenz: Ewald Wöll, Bernhard Guggenbichler und Martin Kurz (h. v. l.) sowie Claudia Siegele, Elisabeth Hasenauer und Manuela Pfeifer (v. l.) legten eine Zwischenbilanz vor.

© WenzelIn der Psychiatrie-Ambulanz am KH St. Vinzenz: Ewald Wöll, Bernhard Guggenbichler und Martin Kurz (h. v. l.) sowie Claudia Siegele, Elisabeth Hasenauer und Manuela Pfeifer (v. l.) legten eine Zwischenbilanz vor.



Von Helmut Wenzel

Zams – Befürchtungen, die angeblich sturen Oberländer hätten Berührungsängste und Hemmungen, das Psychiatrie-Angebot am Krankenhaus St. Vinzenz anzunehmen, haben sich nicht bewahrheitet. Das sagte Primar Martin Kurz gestern Mittwoch – rund zwei Jahre nach Eröffnung der neuen Ambulanz und Tagesklinik für Psychiatrie. „Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben eine gewaltige Patientenfrequenz“, weiß Spitalsgeschäftsführer Bernhard Guggenbichler. „Es war richtig und wichtig, diese Versorgungslücke zu schließen“, hob der ärztliche Leiter des Krankenhauses, Primar Ewald Wöll, hervor.

Die wichtigsten Fakten sind rasch genannt: 2018 hat das Team an der Abteilung „Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin“, wie die Einrichtung offiziell heißt, 1121 neue Patienten ambulant behandelt. In Summe habe man 4000 Patientenkontakte erfasst. Dazu kommen 230 Patienten, die in der Tagesklinik betreut worden sind. Die Patienten mit psychischen Störungen bzw. Erkrankungen sind zwischen 14 und 80 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 44 Jahren.

Die Patienten würden überwiegend aus eigenem Antrieb und eigener Motivation kommen. „Wir haben auch zahlreiche Patienten aus der jüngeren Generation“, so Kurz. „Sie haben ein Sucht- bzw. Drogenproblem, leiden an Depressionen oder sind Gewaltopfer.“ Mit der personellen Besetzung sieht der Psychiatrie-Chef den Plafond noch keinesfalls erreicht. Man habe die Ambulanz 2017 mit einem 10-köpfigen Team eröffnet und sei inzwischen auf 20 Köpfe gewachsen. Den Mangel an Psychiatrie-Fachärzten von damals sieht Kurz derzeit entspannt: „Wir sind inzwischen zu dritt.“ Die geplante Psychiatriestation werde mit 24 Betten bestückt, sechs davon in einem geschlossenen Bereich. Die Eröffnung werde für Ende 2020 angestrebt. Der 24-Stunden-Stationsbetrieb ist laut Guggenbichler „extrem personalintensiv“. Sechs Fachärzte und 18 Pflegemitarbeiter seien nötig.

Neu ist seit Anfang des Jahres die Sprechstunde (zweimal wöchentlich) für Kinder und Jugendliche mit der Psychotherapeutin Elisabeth Hasenauer. Auch sie stellt großen Bedarf fest. „Wir setzen auch Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung von psychischen Problemen“, so Hasenauer. „Eine gesunde Entwicklung der Kinder soll unterstützt und Verunsicherung abgebaut werden.“