Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.07.2019


Osttirol

Deferegger Schulen werden zum ersten „Cluster“ Tirols

Das Defereggen wird erster „Cluster“ Tirols: Ab 1. September bilden die Schulen St. Veit, Hopfgarten und St. Jakob eine Einheit. Das spart Aufwand und verhindert Schließungen.

Das Schulzentrum in St. Jakob mit Volks- und Mittelschule ist zugleich Sitz des Cluster-Leiters. Hier besuchen über 100 Kinder die Schule.

© Markus TönigDas Schulzentrum in St. Jakob mit Volks- und Mittelschule ist zugleich Sitz des Cluster-Leiters. Hier besuchen über 100 Kinder die Schule.



Von Catharina Oblasser

Defereggental – Wenn im Herbst das neue Schuljahr beginnt, gibt es im Defereggental eine Tirol-Premiere: Die Volksschulen von Hopfgarten, St. Veit und St. Jakob sowie die Neue Mittelschule (NMS) St. Jakob bilden dann den ersten „Schulcluster“ des Landes. Die vier Bildungseinrichtungen haben in der Person von Cluster-Leiter Markus Tönig nur noch einen „Herrn Direktor“, der in St. Jakob sein Büro haben wird.

Die Vorteile sind zahlreich, schildert die Lienzer Pflichtschulinspektorin Elisabeth Bachler. „Verwaltung und Administration übernimmt der Cluster-Leiter. Das erspart den einzelnen Lehrkräften viel Aufwand, sie können sich ganz auf den Unterricht konzentrieren“, so Bachler. Eine neue Bürokraft wird eingestellt, um bei den Verwaltungsaufgaben zu helfen.

Paul Gappmeier, Bildungsdirektor Tirol: „Die Idee ist, alle Schulen zu ver­clustern, außer die ganz großen. Das Defereggen hilft uns, dabei Erfahrungen zu sammeln.“
Paul Gappmeier, Bildungsdirektor Tirol: „Die Idee ist, alle Schulen zu ver­clustern, außer die ganz großen. Das Defereggen hilft uns, dabei Erfahrungen zu sammeln.“
- Thomas Boehm / TT

Lehrerinnen und Lehrer der Volksschule können in bestimmten Fächern wie Musik oder Sport auch in der NMS unterrichten, die Ressourcen der Lehrkräfte kommen stärker zum Tragen. Das erleichtere den Kindern auch den Übergang von der Volksschule in die NMS, erklärt die Pflichtschulinspektorin: „Den einen oder anderen Lehrer kennt das Kind schon, wenn es in die fünfte Schulstufe wechselt.“ Auch spezielle Einrichtungen wie ein Sportplatz oder eine Bibliothek stehen dann nicht mehr nur einer Schule offen, sondern dem gesamten Cluster.

Was in Zeiten von immer weniger Geburten von Bedeutung ist: Kleinschulen in einem Cluster können leichter aufrechterhalten werden, weil sie nicht als separate Schulen, sondern als Teil einer größeren Einrichtung geführt werden. Allerdings gibt es Grenzen, sagt Paul Gappmeier, Bildungsdirektor von Tirol: „In Zukunft wird die Grenze für eine Schließung bei zehn Kindern liegen. Sind es weniger, bleibt die Kleinschule nur in Ausnahmefällen erhalten.“

Wobei im Defereggen noch nicht so schnell von Kleinschulen die Rede ist: In Hopfgarten besuchen ab Herbst voraussichtlich 22 Kinder die Volksschule, in St. Veit sind es 26 und in St. Jakob 33. Die NMS wird mit 71 Schülerinnen und Schülern in den Herbst starten. 22 Lehrkräfte stehen im Cluster Defereggental zur Verfügung.

Warum das Defereggental der erste Schulcluster Tirols ist, erklärt Gappmeier so: „Die Voraussetzungen waren gut, sowohl geografisch als auch strukturell. Drei der vier Schulen hatten schon einen gemeinsamen Leiter.“ Weiters sei vor einem Jahr die Sprengelzugehörigkeit der Hopfgartner Mittelschüler geändert worden: Diese gehen nun nicht mehr in die NMS Matrei, sondern nach St. Jakob.

Wenn der Schulcluster Defereggental im Herbst startet, hat er eine Pilotfunktion. „Die Idee ist, alle Schulen zu verclustern, außer die ganz großen“, sagt Gappmeier. „Das Defereggen hilft uns, dabei Erfahrungen zu sammeln.“