Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Bezirk Landeck

Nachwehen von Tschernobyl bis heute spürbar: 66 Kinder zu Gast in Tirol

Der Verein „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“ organisierte vierwöchige Erholung für 66 Kinder aus radioaktiv belasteter Region in Weißrussland.

Abschied nehmen hieß es kürzlich in Tarrenz für diese Tschernobylkindergruppe. Die Kinder durften einen vierwöchigen Erholungsurlaub bei Gasteltern im Oberland, Außerfern und Innsbruck-Land genießen.

© WenzelAbschied nehmen hieß es kürzlich in Tarrenz für diese Tschernobylkindergruppe. Die Kinder durften einen vierwöchigen Erholungsurlaub bei Gasteltern im Oberland, Außerfern und Innsbruck-Land genießen.



Von Helmut Wenzel

Fließ – Auch wenn der verheerende Reaktorunfall von Tschernobyl mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt: Nach wie vor müssen Kinder aus der stark verstrahlten Zone Weißrusslands mit den Folgen leben. „Die Lebensmittel sind dort noch immer mit Cäsium 137 und Strontium 90 belastet“, weiß der Fließer Arzt Ludwig Knabl, Obmann des Vereins „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“.

Die belasteten Lebensmittel schwächen das Immunsystem, weiß der Arzt. Eine hohe Belastung führt, so Knabl, zu Krebserkrankungen und genetischen Missbildungen. „Die Lebenserwartung wird deutlich verkürzt.“

Vor diesem Hintergrund hat der Verein in Zusammenarbeit mit Gasteltern in Fließ, Pfunds, Tarrenz, im Außerfern sowie in Innsbruck-Land heuer die 28. Ferienaktion für Tschernobylkinder organisiert. 66 Kinder trafen in zwei Gruppen ein, diese Woche war Abreise in Tarrenz.

Knabl dokumentiert die radioaktive Belastung der Kinder vor und nach dem Erholungsaufenthalt. Fazit: Bei der Abreise sind die Werte um rund zehn Becquerel (Messeinheit für radioaktive Sub­stanzen) niedriger als vorher.

„Das Immunsystem der Kinder erholt sich vom radioaktiven Stress“, so der unermüdliche Fließer „Tschernobyldoktor“. Der positive Effekt dauert bis zu einem Jahr an, auch die Psyche der Kinder werde gestärkt. „Das bestätigen uns die Lehrer in den Schulen und die Eltern der Kinder immer wieder.“

Auch diesmal gab es für die kleinen Gäste und deren Familien in Weißrussland ein Medikamentenpaket – u. a. mit Vitaminpräparaten. Diese werden auch an Schwangere und Säuglinge verteilt. Dutzende Kakaopakete wurden ebenfalls im Tschernobylbus verstaut. „Kakao hat einen hohen Kaliumgehalt. Womit die Aufnahme von radioaktivem Cäsium reduziert wird.“ Die „Mitbringsel“ sind Spenden von den Unterstützern des Vereins. Zu danken habe man auch „den vielen Gasteltern, die bereit sind, die Kinder vier Wochen aufzunehmen und zu betreuen“. Der privat finanzierte Verein ist auf Spenden angewiesen – IBAN: AT04 3635 9000 0142 8754.

Internet: www.tschernobylkinder-tirol.at