Letztes Update am So, 14.07.2019 11:47

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Stromausfall in New York: Spontane Shows und Konzerte auf der Straße

Ein kleiner Teil der Millionenmetropole New York war plötzlich ohne Strom. Betroffen waren 73.000 Menschen. Aber der Blackout traf ausgerechnet das Herz von Manhattan, und das am frühen Samstagabend, zum Beginn vieler Shows und Konzerte. Doch viele Künstler wussten sich zu helfen.

Die Skyline von New York blieb dunkel.

© AFP/EiseleDie Skyline von New York blieb dunkel.



New York – Touristen in New York bot sich am Samstag ein seltener Anblick: Wegen eines massiven Stromausfalls blieben im Bezirk Manhattan über mehrere Stunden die Lichter aus. Rund 73.000 Menschen im Westen der Insel waren von der Stromversorgung abgeschnitten, wie der Energieversorger Con Edison mitteilte. Zur Ursache der Panne äußerte sich das Unternehmen nicht.

Gegen 22 Uhr Ortszeit (4 Uhr MESZ) war die Stromversorgung am Times Square wiederhergestellt – der Jubel der dort versammelten Menschen war noch Straßen weiter zu hören. Gegen 23 Uhr gingen in fünf der sechs betroffenen Versorgungsgebiete die Lichter wieder an.

Was den Ausfall verursacht hatte, blieb zunächst unklar. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hatte im Kurzbotschaftendienst zunächst ein „Gully-Feuer“ als Ursache angegeben, später im Sender MSNBC aber gesagt, dass der Sache noch auf den Grund gegangen werde.

Leute feiern während des Stromausfalls auf den Straßen.
Leute feiern während des Stromausfalls auf den Straßen.
- AFP/Clary

„Das scheint etwas zu sein, das einfach bei der Stromverteilung von einem Stadtteil zum anderen schief gelaufen ist“, sagte De Blasio, der sich wegen einer Wahlkampfveranstaltung für die demokratische Präsidentschaftskandidatur im Bundesstaat Iowa aufhielt.

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Ungewohntes Bild: Times Square ohne Werbetafeln

Während des Stromausfalls lagen U-Bahn-Stationen im Dunkeln, die riesigen leuchtenden Werbetafeln am Times Square erloschen und zahlreiche Ampeln fielen aus. Feuerwehrleute mussten ausrücken, um Menschen aus Aufzügen zu befreien. Die New Yorker Nahverkehrsbehörde MTA rief dazu auf, die unterirdischen U-Bahn-Stationen in Manhattan zu meiden.

Polizisten versuchten nach dem Ausfall der Ampeln auf den Kreuzungen den Verkehr mehr schlecht als recht zu regeln. Insbesondere der Broadway mit seinen zahlreichen Theatern und das Viertel Hell‘s Kitchen waren betroffen.

Die New Yorker nahmen den Stromausfall gelassen. Die Schauspieltruppe des Musicals „Hadestown“ und ein Chor der prestigeträchtigen Konzerthalle Carnegie Hall verlegten ihre Vorführungen kurzerhand ins Freie.

Ein Konzert der Sängerin Jennifer Lopez im Madison Square Garden musste wenige Minuten vor Beginn abgesagt werden. Lopez kündigte im Kurzbotschaftendienst Twitter an, den Auftritt nachzuholen.

Dutzende Gäste des Hotels Row NYC in der 8th Avenue warteten auf dem Gehsteig darauf, dass die Lichter wieder angingen. Die Hotelangestellten hätten sie gebeten, das Gebäude vorerst nicht zu betreten, da weder die Beleuchtung noch die Aufzüge funktionierten, berichtete die 16-jährige spanische Touristin Alba Moreno.

„Wir waren drinnen, als die Lichter ausgingen und gingen die Treppe hinunter“, erzählte Hotelgast Monique Otero. Der Notstrom sei angegangen, wodurch sich auch die Türen der Aufzüge geöffnet hätten, berichtete die Touristin. Einige Hotelgäste hätten daraufhin entschieden, den Aufzug anstelle der Treppe zu nehmen. Weil der Notstrom nur wenige Sekunden später ausgefallen sei, seien einige Hotelgäste über Stunden im Aufzug steckengeblieben, berichtete Otero.

Stromausfall am Jahrestag des „Blackout“ von 1977

Ironischerweise ereignete sich der Stromausfall ausgerechnet am Jahrestag des „Blackout“ von 1977, bei dem mitten in der Wirtschaftskrise praktisch die gesamte Stadt lahmgelegt worden war. Damals war es zu Plünderungen und Vandalismus in mehr als tausend Geschäften gekommen. Die Polizei verhaftete hunderte Menschen. Nach 25 Stunden war die Stromversorgung wiederhergestellt. Zwei weitere massive Stromausfälle ereigneten sich in New York in den Jahren 1965 und 2003. (dpa)