Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.07.2019


Innsbruck

Plattform für Mutbürger statt Wutbürger

Das junge sozialpolitische Kunstprojekt DA.FÜR belebt den öffentlichen Raum in Innsbruck mit leuchtenden Flaggen und bewusst positiven Botschaften.

DA.FÜR statt dagegen: Susanne Schwärzler, Aurelia Tolloy, Lisa Westerhuys und Marlene Erkl (v. l.) sind das Kernteam hinter der neuen Initiative, die statt Negativität positive Einstellungen sichtbar machen will.

© Da.fürDA.FÜR statt dagegen: Susanne Schwärzler, Aurelia Tolloy, Lisa Westerhuys und Marlene Erkl (v. l.) sind das Kernteam hinter der neuen Initiative, die statt Negativität positive Einstellungen sichtbar machen will.



Innsbruck – Für Freiheit. Für Vielfalt. Für Bildung, soziales Miteinander, leistbaren Wohnraum, Tierschutz. Oder auch, ganz konkret: für bedingungsloses Grundeinkommen oder z. B. „mehr Aquaparks“. Die persönlichen Statements, die Menschen unterschiedlichen Alters da in die Kamera halten, decken ein weites Spektrum ab. Gemeinsam ist allen die positive Formulierung.

Die Aktion ist Teil eines sozialpolitischen Kunstprojekts namens „DA.FÜR“, das im Juni in Innsbruck angelaufen ist. Anlass sei u. a. eine Studie über das Angstempfinden in Österreich gewesen, erzählt Ideengeberin Aurelia Tolloy, ausgebildete Sozialarbeiterin und Case-Managerin. „Die Werte waren ähnlich hoch wie etwa in Mexiko, wo es zahlreiche Morde und verbreitete Korruption gibt.“ Das habe ihr zu denken gegeben: „Die Verunsicherung, auch politisch geschürt, ist groß.“

Als Reaktion startete Tolloy – zusammen mit einem Kernorganisationsteam aus drei weiteren Freundinnen – das Projekt DA.FÜR. „Wir wollen eine Aktivierung Richtung positives Denken und konstruktive Einstellungen“, umreißt sie die Grundidee. „Durch positive Formulierungen kann Kraft entstehen, Negativität zieht hingegen Kraft ab.“ Man wolle „eine Plattform bieten, damit Leute sich ausdrücken können“, verhärtete Fronten aufbrechen – und zugleich das Stadtbild bunter machen. Symbol dafür sind die eigens kreierten DA.FÜR-Flaggen – angelehnt an die bekannten Regenbogenflaggen, aber mit orange-gelbem Farbverlauf. Dieser stehe für den Sonnenaufgang, „also für Neues, Aufbruch, Positives“.

Viele der Flaggen, die zunächst an Freunde und Familien verteilt wurden, prangen bereits an Innsbrucker Hauswänden. Auf der Facebook-Seite DA.FÜR oder unter da.fuer@gmx.at kann man sie auch bestellen, auf freiwilliger Spendenbasis. Das eingangs erwähnte Fotoprojekt auf den Straßen Innsbrucks, bei dem Leute mittels Schildern zeigen, wofür sie stehen, läuft ebenfalls weiter. Aus den Bildern (die man auch einsenden kann) entstehen Fotocollagen, die regelmäßig auf Facebook veröffentlicht werden.

Wichtig ist Tolloy, dass man sich mit DA.FÜR „nicht vereinnahmen lassen“ und völlig unabhängig von Parteipolitik bleiben wolle. Das Feedback sei bisher „überraschend positiv“. So habe sich z. B. eine Familie in der Maria-Theresien-Straße gefreut, „dass endlich einmal Mutbürger statt Wutbürger im Fokus stehen“. Weitere Pläne gibt es viele: DA.FÜR will sich mit Kulturvereinen und nachhaltig wirtschaftenden Betrieben vernetzen, für Herbst überlegt man ein Projekt mit Jugendzentren. Und auch eine Vereinsgründung ist angedacht. (md)