Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Osttirol

Mehr Einheimische besuchen die Römerstadt Auguntum

Für die Ausgrabungsstätten und Museumsbereiche in Aguntum entsteht ein neuer Eingang mit einem Besucherzentrum.

Manfred Hainzl, Hannes Rohracher, Michael Tschurtschenthaler, Leo Gomig, Josef Mair und Werner Lamprecht (v. l.) vor der Stadtmauer.

© Christoph BlassnigManfred Hainzl, Hannes Rohracher, Michael Tschurtschenthaler, Leo Gomig, Josef Mair und Werner Lamprecht (v. l.) vor der Stadtmauer.



Von Christoph Blassnig

Dölsach – Die einzige Römerstadt Tirols und auch Südtirols ist Aguntum in Dölsach bei Lienz. Vor deren östlicher Stadtmauer liegen die Grundmauern der ersten frühchristlichen Kirche zumindest in Osttirol begraben. „Von der Bischofsstadt Aguntum dürfte im vierten Jahrhundert die Christianisierung Osttirols ihren Ausgang genommen haben“, erklärt der Archäologe Michael Tschurtschenthaler von der Universität Innsbruck. „Die umliegenden Gebetshäuser in Lavant, Patriasdorf, Oberlienz und Anras sind wohl erst in der Folge entstanden.“ Es sei nicht nur den Archäologen, sondern auch der Kirche ein Anliegen, die Überreste wieder auszugraben und zur Besichtigung aufzubereiten, berichteten sowohl Vereinsobmann Leo Gomig als auch der Dölsacher Bürgermeister Josef Mair in einem Pressegespräch.

„Die Besucherzahlen geben keinen Anlass zum Jubel, trotz ungünstiger Witterung und einer Baustelle verzeichnen wir aber eine Steigerung von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, gab Gomig weiter Auskunft. Immer mehr Schulen würden die Römerstadt besuchen. „Heuer waren bereits 45 Klassen bei uns“, berichtete Hannes Rohracher, zuständig für die Besucherprogramme. Aus Nordtirol, noch viel mehr aber aus Südtirol würden in den letzten Jahren vermehrt Schulen und Reisegruppen zur Besichtigung anreisen.

„Wir begrüßen auch immer mehr Einheimische, was uns besonders freut“, erklärte Gomig. Es gebe so viele Osttiroler, die noch nie oder nur einmal vor Jahrzehnten das Museum besichtigt haben. „Es gibt auch viele Dölsacher, die noch nie in Aguntum waren“, untermauerte der Bürgermeister diese Feststellung.

Dabei lohne es sich auf jeden Fall, betonte Werner Lamprecht. Immerhin liege vor unserer Haustüre der Beweis von über zweitausend Jahren Zivilisation. Das sollte identitätsstiftend wirken.

Geschäftsführer Manfred Hainzl erläuterte die Baumaßnahmen: „Es entstehen gerade ein Infozentrum und ein Museumscafé.“ Die Gesamtkosten liegen bei rund 900.000 Euro. „Der Besucher wird empfangen, findet Orientierung und wird neugierig. Das wird ein Willkommen, Zusammenfassen und Verabschieden in einem modernen Ambiente.“ Die Dauerausstellung mit Exponaten aus den Grabungen wird neu in Szene gesetzt werden.