Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.07.2019


Jugendschutz

Rauchen erst ab 18 erlaubt: „Bis zu 7260 Euro Strafe“

Seit Jahresbeginn dürfen Jugendliche nicht mehr rauchen. In Tirol wird diese Gesetzesnovelle im Vergleich zu anderen Bundesländern streng umgesetzt. Doch zeigt sie schon Wirkung?

Die Novelle sorgt dafür, dass Jugendlichen der Kopf nur noch beim Lernen raucht. Nicht mehr beim Rauchen.

© Getty Images/iStockphotoDie Novelle sorgt dafür, dass Jugendlichen der Kopf nur noch beim Lernen raucht. Nicht mehr beim Rauchen.



Von Judith Sam

Innsbruck – Die Gesetzesnovelle, die besagt, dass die Altersgrenze beim Rauchen von 16 auf 18 Jahre angehoben wurde, ist eine Sache. Ein Blick auf Innsbrucks Straßen, wo rauchende Jugendliche keine Seltenheit sind, ist eine andere. Zehn bis 16 Prozent der 15-Jährigen rauchen täglich. Das ergaben zwei aktuelle Schülerbefragungen namens HBSC und ESPAD. Kein Wunder, dass Österreich den wenig ruhmreichen Titel „Aschenbecher der EU“ trägt.

„Wobei dieser Name nicht mehr zutreffend ist“, wehrt sich Franz Pietsch. Der Abteilungsleiter des Bereichs Nichtraucherschutz des Bundesministeriums für Gesundheit hält dagegen: „Wir verzeichnen seit Jahresbeginn, als das Gesetz in Kraft trat, einen Rückgang des Tabakkonsums.“ Seit dem Jahr 2002 habe sich die Rauchprävalenz der Kinder und Jugendlichen sogar halbiert.

Die Polizei ist bemüht, diese erfreuliche Entwicklung voranzutreiben. „Im Rahmen von Streifendiensten wird unter anderem überprüft, ob Jugendliche rauchen, ihnen Tabakwaren verkauft werden oder sie diese erwerben. Wir kontrollieren im gesamten öffentlichen Raum – etwa auch in Lokalen“, sagt Bernhard Gruber von der Presseabteilung der Landespolizeidirektion Tirol. Die Strafen, die Ertappten drohen, variieren je nach Bundesland.

Tirol zählt laut Pietsch zu den strengsten: „Wer einem unter 18-Jährigen Zigaretten oder verwandte Erzeugnisse wie Shishas verkauft, muss mit einer Strafe von bis zu 7260 Euro rechnen. Bei jugendlichen Konsumenten und Käufern kann sie bis zu 215 Euro betragen.“ Zudem gebe es keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn einem Jugendlichen die Zigaretten und teilweise recht teuren Shishas im Zuge einer Kontrolle abgenommen werden.

„Die Reaktionen der Teenager sind in solchen Fällen unterschiedlich. Es kommt teilweise zu Unverständnis, aber aggressives Verhalten gab es nie“, sagt Gruber.

Für Jugendlandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf hingegen sind Strafen erst der zweite Schritt: „Wir haben die Aufklärung und Beratung in den Vordergrund gerückt.“

Im Bezirk Innsbruck-Land wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes lediglich 45 Anzeigen verzeichnet und 25 Jugendliche mussten je 50 Euro Strafe bezahlen. 16- bis 18-Jährige werden nach der ersten und zweiten Übertretung des Gesetzes nämlich nur verwarnt. Nach der dritten besteht die Möglichkeit, eine Suchtberatung in Anspruch zu nehmen. Erscheinen die Jugendlichen dort nicht, kommt es zu einem Strafverfahren.

Diese recht tolerante Herangehensweise hält auch Christian Filzer für die effektivste. Der Leiter der offenen Jugendarbeit Zirl hat vor Kurzem 15 Jahre alte Fotos gefunden, auf denen es ganz normal schien, im Jugendzentrum zu rauchen: „Heute wäre das undenkbar. In meinem Freundeskreis haben früher sogar 12-Jährige geraucht. Das war nichts Besonderes. Ich denke, wenn man jungen Menschen heute die Konsequenzen des Rauchens vor Augen hält, werden sie eines Tages keine Ambition mehr haben, überhaupt damit anzufangen.“

Fatale Folgen hat das Qualmen nämlich nicht nur für die Geldtasche – bei Preisen von rund fünf Euro pro Zigarettenschachtel. Anna Zschock­e, verantwortliche Fachärztin für Pneumologie an der Innsbrucker Kinderklinik, begrüßt das Rauchverbot: „Je früher man mit dem Rauchen beginnt, desto schwerer fällt es, später damit aufzuhören. Jugendliche Raucher neigen eher zu Depressionen, sind gefährdet, an Bluthochdruck, Asthma und sogar Krebs zu erkranken.“ Jungen Rauchern begegnet Zschocke auf Augenhöhe: „Sie halten sich für cool, wenn sie qualmen. Darauf entgegne ich ihnen, dass Rauchern früher die Haare ausfallen, sie Mundgeruch, schlechtes Zahnfleisch und gelbe Zähne haben.“ Das hole sie meistens auf den Boden der Tatsachen zurück.

Für Zschocke hat auch die Haltung der Gesellschaft mit dem Tabakkonsum Jugendlicher zu tun: „Wissen Sie, warum minderjährige Iren, Briten und Schweden selten rauchen? Weil sie den Druck des Staates und der Gesellschaft laut aktuellen Studien als sehr intensiv empfinden. In Österreich haben Jugendliche ihn bisher kaum wahrgenommen.“ Für sie steht daher fest, dass die Gesetzesnovelle noch konsequenter geahndet werden muss.