Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Beutegreifer

Schäden am Fischbestand: Fischzüchter fordern Entschädigungen

Schäden am Fischbestand durch Wasservögel und Fischotter stellen Tirols Fischer zunehmend vor Probleme.

Der Fischotter hat in den vergangenen Jahren Osttirol und das Tiroler Unterland als Heimat entdeckt.

© Getty Images/iStockphotoDer Fischotter hat in den vergangenen Jahren Osttirol und das Tiroler Unterland als Heimat entdeckt.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Mitten in der Debatte rund um die großen Beutegreifer melden sich nun auch Tirols Fischer zu Wort. Angesichts der Diskussionen um Herdenschutz und Entschädigungszahlungen dürfe man nicht vergessen, dass Wildtiere auch enorme Schäden an den Fischbeständen anrichten, betont Zacharias Schähle, Geschäftsführer des Tiroler Fischereiverbandes. Probleme würden nicht nur Fischreiher und Kormorane bereiten, auch der Fischotter wird seit einigen Jahren vor allem im Bezirk Kitzbühel und in Osttirol immer öfter nachgewiesen.

Kleine Fischzüchter müssten mittlerweile mindestens 10.000 bis 15.000 Euro Schaden pro Jahr hinnehmen. „Und obwohl die Fische ihr Eigentum sind und sie ebenfalls zur Landwirtschaft zählen, erhalten sie überhaupt keine finanzielle Entschädigung“, kritisiert Schähle. Zäune und Netze für Becken und Teiche seien kosten- und wartungsintensiv und würden im besten Fall nur eine Linderung bringen. Außerdem gebe es dafür ebenfalls keine finanzielle Unterstützung. „Die Fischzüchter werden hier im Regen stehen gelassen. Gleichzeitig will man aber regionalen und gesunden Fisch aus Tirol ohne lange Transportwege, da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt Schähle.

Der Geschäftsführer des Fischereiverbandes sieht zudem auch beim Fischschutz in den heimischen Gewässern dringenden Handlungsbedarf. An den Bächen Tirols komme es vielerorts zu einem dramatischen Rückgang der Fischbestände. „Wo man vor einigen Jahren noch Hunderte Fische bei der Fortpflanzung beobachten konnte, waren es heuer nur noch einige Individuen. Da an unseren Bächen keine Wildnis mehr herrscht, sondern viele Gewässer verbaut sind und das Bachwasser zur Stromproduktion abgeleitet wird, regelt sich dort das Räuber-Beute-Verhältnis nicht mehr von selbst.“ Entsprechend brauche es auch ein Management von Fischräubern. „Uns geht es nicht um einen Totalabschuss, sondern um ein maßvolles Management dieser Tiere, damit sich die heimischen Fischbestände wieder erholen können“, betont Schähle.