Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Bezirk Landeck

Kauner Friedhof am Weg zur Digitalisierung

Eine Anfrage zu einem „digitalen Grabstein“ beschäftigt den Kauner Gemeinderat. Ein Tiroler Unternehmen will Ruhestätten künftig interaktiv und mit einem Bildschirm gestalten.

Derzeit ist der Kauner Friedhof noch zur Gänze analog.

© ReichleDerzeit ist der Kauner Friedhof noch zur Gänze analog.



Von Matthias Reichle

Kauns – In Sachen Digitalisierung ist die kleine Gemeinde Kauns immer ganz vorne mit dabei – vor allem, wenn es um schnelles Internet geht. Eine Anfrage, die dort kürzlich eintraf, hat aber selbst den internetaffinen Bürgermeister Matthias Schranz in Verlegenheit gebracht. „Ich war auch ganz überrascht, was man alles digitalisieren kann.“ Inzwischen habe er sich aber in Sachen „digitaler Grabstein“ schlaugemacht. „Es ist ein Grabstein mit einem Display vorne dran, wo der Name des Verstorbenen draufsteht und wo ich zum Beispiel eine digitale Kerze anzünden kann“, erklärt Schranz in wenigen Worten das Konzept. Das Ganze wäre solarbetrieben.

Ein Tiroler Unternehmen will sein Produkt künftig auch in Kauns anbieten und hat sich mit diesem Thema an die Gemeinde gewandt – in der kommenden Woche wird sich der Gemeinderat mit dem Antrag auseinandersetzen. „Es geht darum, ob wir das in die Friedhofsordnung mitaufnehmen“, so Schranz. Er ist skeptisch. „Ich glaube nicht, dass das in Kauns relevant ist“ – eher im städtischen Bereich.

Hinter dem Produkt steht Peter Lutz, Juniorchef der Firma Stein Wernig. „Es ist ein integrierter Bildschirm“, bestätigt er die Beschreibung des Bürgermeisters. Darauf kann man sich Bilder des Verstorbenen anschauen oder auch eine digitale Gedenkkerze anzünden – das Ganze nennt sich „smarter Grabstein“. „Man kann weltweit auf den Bildschirm zugreifen, wenn die Familie diese Zugriffsrechte erteilt.“ Das Grab hat quasi einen Internetzugang. So könnten etwa bei großen Familien Angehörige, die sich nicht vor Ort befinden, auch an Gedenkfeiern wie Allerheiligen in gewisser Weise teilnehmen – eben virtuell. In Tirol seien drei Grabsteine in Planung, so Lutz. Möglich sei das für alle Typen – von Urnen bis zum Familiengrab. Thema sei das freilich mehr für Personen, die in Social Media aktiv sind. Lutz glaubt nicht, dass ein solcher Grabstein der Friedhofsordnungen grundsätzlich widersprechen würde – man will, dass das Projekt aber im Einvernehmen besprochen und genehmigt wird. „Uns sind Ruhe und Pietät sehr wichtig, wir sind ein großes Unternehmen.“ Darum habe man sich an mehrere Gemeinden gewandt.

Ein Beispiel für ein digitales Urnengrab des Unternehmens.
Ein Beispiel für ein digitales Urnengrab des Unternehmens.
- Alexandra Plank

Wenn heute der 1. April wäre, müsse er direkt am Wahrheitsgehalt zweifeln – so kommentiert Dekan Franz Hinterholzer die Nachfrage der Tiroler Tageszeitung, ob er bereits mit dem Thema konfrontiert worden sei. „Ich höre zum ersten Mal davon“, betont er. „Ich bin ein sehr digitaler Mensch, aber ich persönlich glaube, dass am Friedhof die Grenzen erreicht sind“, kommentiert Hinterholzer. Gleichzeitig würde er sich nicht dagegenstellen, wenn es genehmigt würde. „Wenn es die Zukunft ist, ist es die Zukunft. Da bin ich nicht dafür und nicht dagegen.“

Der Dekan glaubt, dass das auch ein Thema für den Denkmalschutz werden könnte. „Eigentlich stehen die Friedhöfe alle unter Denkmalschutz.“ Sobald man etwas Spezielleres umsetzen will, müsse man sich mit dem Denkmalamt auseinandersetzen.

Laut dem Leiter des Tiroler Denkmalamtes, Walter Hauser, gilt das aber nur für die baulichen Anlagen eines Friedhofs und künstlerisch wertvolle Einzelgräber, nicht bauliche Anlagen – und das schließe die Gräber mit ein – seien ausgenommen. Für private Gräber ist die Friedhofsordnung zuständig. Für Hauser ist es auch eher eine Kult- und Kulturfrage, „wenn man nicht einmal beim Sterben etwas einfriert, was früher Leben war“. Er ist skeptisch. Auch wenn man in Kirchen Kerzen nur noch digital anzündet. „Ich werfe eine Münze ein und E.ON schaltet den Strom ein“ – das sei merkwürdig.

In Kauns ist das Thema noch nicht durchdiskutiert worden, Schranz will aber in der Sitzung vorschlagen, dass die Sache zunächst im Pfarrgemeinderat behandelt wird. Erst später im Gemeinderat. Es ist ein „pfarrliches Thema“.