Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Innsbruck

Neue Ideen sollen Innsbruck näher an den Inn bringen

Die studentische Projektgruppe „INNdentität“ schlägt legale Zugänge zum Fluss oder eine Umgestaltung des Marktplatzes samt „Flaniermeile“ vor.

Wie die Interaktion zwischen Stadt und Fluss verbessert werden könnte, haben Studierende – mit Bevölkerungsbeteiligung – untersucht.

© DomanigWie die Interaktion zwischen Stadt und Fluss verbessert werden könnte, haben Studierende – mit Bevölkerungsbeteiligung – untersucht.



Innsbruck – Wie kann Innsbruck „näher an den Inn gebracht“ werden? Wie kann der Fluss noch mehr zur Lebensader der Stadt werden? Mit diesen Fragen haben sich Studierende der Uni Innsbruck im Zuge eines Methodenkurses am Institut für Geographie intensiv beschäftigt.

Dabei gingen sie aktiv auf die Bevölkerung zu: „Wir haben 150 Personen befragt“, berichteten zwei der Studierenden, Hannah Geuder und Lukas Ellensohn, bei der gestrigen Ergebnispräsentation – nicht nur mittels Fragebögen, sondern auch mit Fotointerviews oder „Wahrnehmungsspaziergängen“, bei denen die Bürger ihre subjektiven Eindrücke schildern konnten. Auf Karten konnten die Befragten Punkte im Untersuchungsgebiet markieren, an denen sie sich besonders wohl oder unwohl fühlen.

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Die Ergebnisse waren so aussagekräftig, dass aus dem Kurs eine Projektgruppe aus Studierenden und den Lehrveranstaltungsleitern Stefan Obkircher und Matthias Pokorny entstand. Unter dem Titel „INNdentität #meinINN“ beteiligt sich diese Gruppe nun am „Europan15“, einem europaweiten Ideenwettbewerb, der sich an junge Stadtplaner und Architekten richtet. Die Stadt Innsbruck nimmt am Bewerb mit der Umgestaltung des südlichen Innbereichs zwischen Congress, Innrain und Internationalem Studentenhaus teil. Die Studierenden haben ihr Untersuchungsgebiet darüber hinaus auf die nördliche Innseite sowie bis zum Emile-Béthouart-Steg erweitert – und bringen neue, „soziale“ Blickwinkel ein.

So stellten sie fest, dass „offizielle Strukturen“ von der Bevölkerung zwar gerne genutzt würden – vor allem begrünte, verkehrsberuhigte Aufenthaltsflächen –, „diese reichen aber nicht aus“, ist sich das Projektteam einig. Das zeigt sich schon an der Beliebtheit „inoffizieller Räume“, etwa der massiv als Sitzplätze genutzten Mauern am Inn-Südufer bei der Uni.

Seitens der Studierenden gibt es klare Handlungsempfehlungen: Sie schlagen etwa verbesserte Zugangsmöglichkeiten zum Wasser hin vor („Man kann in Innsbruck fast nirgends direkt zum Fluss“), indem neue Stufen zum Inn angelegt bzw. vorhandene Treppen legal und gefahrlos nutzbar gemacht werden.

Großen Handlungsbedarf orten sie am Marktplatz als Herzstück des Europan-Gebietes: Dieser werde von der Bevölkerung als „chaotisch und unstrukturiert“ wahrgenommen, zwischen Fußgängern, Radfahrern, Lieferverkehr und Autofahrern am Weg zur Tiefgarage komme es oft zu riskanten Begegnungen. Der Marktplatz sei von den Befragten „fast durchgehend eher negativ bewertet“ worden, ebenso das westlich angrenzende Südufer. Die Studierenden regen dazu an, „mehr Ordnung und Struktur in die Verkehrsachsen zu bringen“ und das Areal samt anschließendem Uferbereich zur (begrünten) „Flaniermeile“ auszuweiten. Zugleich sollten „alle Neubauten zum Inn hin geöffnet, also die Haupteingänge zum Fluss hin ausgerichtet werden“. Auch ausgedehnte Dachflächen, etwa auf der Markthalle, könne man adaptieren und nützen – für Cafés oder Veranstaltungen –, lautet eine weitere Idee.

Den Ergebnisbericht samt Handlungsempfehlungen stellt das Projektteam auch der Stadt Innsbruck zur Verfügung, die Erkenntnisse könnten etwa in die Grundlagen eines Architekturwettbewerbs einfließen, meint Obkircher.

Über den Instagram-Kanal der Projektgruppe („Inndentitaet_6020“) sowie die Website https://innufer.github.io werden weiterhin Ideen und Anregungen seitens der Bevölkerung gesammelt. (md)