Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Reutte

Lions Club Reutte: Die Löwinnen brüllen dezent lauter

Der Lions Club Reutte wird weiblicher. Für die erste Präsidentin geht heute der Vorsitz zu Ende. Eine Statutenänderung wird noch mehr Frauen zu künftigen Mitgliedern machen.

Hofübergabe beim Lions Club Reutte: Monika Klocker-Triendl (2. v. l.) mit Tochter Eva übergibt die Präsidentinnenschaft an Hansjörg Schimpfössl mit Gattin Christiane. Ein Mann trägt wieder die Insignien.

© Rief/RC ReutteHofübergabe beim Lions Club Reutte: Monika Klocker-Triendl (2. v. l.) mit Tochter Eva übergibt die Präsidentinnenschaft an Hansjörg Schimpfössl mit Gattin Christiane. Ein Mann trägt wieder die Insignien.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – „Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.“ Das auf Ovid zurückgehende Sprichwort veranschaulicht, wie sich Dogmen abschleifen können, still und leise alles anders wird und in der Rückschau ehemalige Standpunkte sehr gestrig wirken. Der Lions Club ist so ein Fall. Im Allgemeinen weltweit und im Speziellen in Reutte. 1972 fand die Gründung des Serviceclubs im Außerfern statt. Eine reine Männerdomäne damals. Frauen waren bei den Meetings zwar immer gerne gesehen, hatten aber die Rolle der Partnerin, die dem erfolgreichen Mann den Rücken freihält. Inzwischen hat der größte Club Tirols mit 64 aktiven Mitgliedern acht Frauen in seinen Reihen. Das Clubjahr 2018/19 geht heute zu Ende. Mit Monika Klocker-Triendl hat es die erste Präsidentin im Reuttener Lions Club absolviert. Sie sollte im Club der Löwenmähnen nicht allein auf sich gestellt bleiben. Das erste Mal in der Geschichte von Lions seit der Gründung 1917 hatte heuer eine Frau die weltweite Präsidentschaft inne, das erste Mal war auch der Governor-Ratsvorsitz in Österreich weiblich geführt.

Dabei betrachtet die nach Eigendefinition „Alleinerziehend-Geschiedene“ ihre Lions-Präsidentschaft als etwas gänzlich Gewöhnliches – „was soll man dazu schon groß schrei­ben?“. Zum Beispiel eine aktuelle Änderung in den Statuten, die große Wirkung zeigen wird. „Eine Novität und Sensation in Österreich, die der Reuttener Club hier umsetzt“, wie Mitglieder das Vorpreschen einordnen. Denn künftig werden in der größten Löwenversammlung Tirols alle Witwen und Witwer automatisch Mitglieder. Da zu Beginn der Clubgeschichte nur Männer aufgenommen wurden, kann sich jeder und jede ausrechnen, dass der Frauenanteil in der Vereinigung mit einem Durchschnittsalter von derzeit 60 Jahren schnell stark zunehmen wird. In der Praxis wird die Änderung allerdings nicht gleich augenfällig werden, waren doch die PartnerInnen bei den Lions-Meetings immer schon gern gesehen – ganz anders als bei den Rotariern etwa.

„Muss man irgendwie prominent, beruflich außerordentlich erfolgreich oder vermögend sein, um in den Lions Club aufgenommen zu werden?“ – so die plakative Frage an die scheidende Präsidentin. „Nein!“, sagt Klocker-Triendl. „Man muss eine soziale Einstellung haben und tolerant sein – dann kommt man in Betracht.“ Dies sei auch der Kitt, der den weltoffenen Club zusammenhalte. Viele Neumitglieder hätten etwa – genau wie sie – zuvor schon jahrelang beim Flohmarkt mitgearbeitet, bevor eine Mitgliedschaft Thema geworden sei. Der Mitgliedsbeitrag sei vergleichbar mit „einmal zu zweit schön essen gehen“. Also auch hier sei nichts elitär, schmunzelt sie.

Das Jahresmotto der Gymnasiallehrerin war Dankbarkeit – für Heimat, ihre persönliche Gesundheit, Freunde, auch Bildung. Die Präsenz der Mitglieder bei den 14-tägigen Treffen im Pflacher Schwanen lag bei über 50 Prozent. „Ein Zeichen von Solidarität. Neben vielem anderen schweißt uns gerade der Flohmarkt zusammen. Der Start dazu ist jedes Jahr von Neuem nicht leicht. Aber am Ende liegen immer 60.000 € auf dem Tisch und damit kann man im Bezirk wirklich vielfältig helfen“, sagt Klocker-Triendl zum Leuchtturmprojekt des LC Reutte.




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