Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Bezirk Kufstein

Wirt sauer: Fest in Wörgl fällt Arbeiten für Fernwärme zum Opfer

Heuer wird es in Wörgl kein „Über die Gass’n“-Fest geben. Wegen des Fernwärmeausbaus fehlt eine Ausweichroute für den Verkehr.

Keine Festgaudi rund um die Kirche: „Über die Gass’n“ kann heuer aus verkehrstechnischen Gründen nicht stattfinden.

© SpielbichlerKeine Festgaudi rund um die Kirche: „Über die Gass’n“ kann heuer aus verkehrstechnischen Gründen nicht stattfinden.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Die Wörgler sind heiß auf Sommerfeste. Das zeigte sich nicht nur beim Stadtfest Mitte Juli, das die Bahnhofstraße trotz Regenwetters wieder in eine gut gefüllte Partymeile verwandelte, sondern auch bei den Wörgler Sommernächten oder den Platzkonzerten der Stadtmusikkapelle. Ein Fixtermin im Veranstaltungskalender wird heuer allerdings ausfallen. „Über die Gass’n“, die „familiäre Version des Stadtfests“ – wie viele Wörgler es nennen –, muss aus verkehrstechnischen Gründen gestrichen werden.

Für die Veranstaltung auf der Innsbrucker Straße B171 müsste man nämlich den Verkehr entlang der Hauptader umleiten. Dazu werden Fahrzeuge normalerweise bereits beim Werlberger Kreisverkehr im Osten der Stadt über den Bahnhof und im Bereich Bundesschulzentrum/Feuerwehr wieder zurück auf die Bundesstraße geführt. Heuer ist diese „Nord-Umfahrung“ allerdings nicht möglich, weil rund um den Bahnhof das Fernwärmenetz ausgebaut wird, wie der für Veranstaltungsgenehmigungen zuständige Stadtpolizist Klaus Seitz erklärt. „Wir müssen in der Stunde 1000 Fahrzeuge umleiten. Das ist mit den derzeitigen Baustellengegebenheiten nicht möglich.“ Der Angather Weg ist momentan nur einspurig befahrbar, auch Busse müssen durch dieses Nadelöhr. Dass das Fest nicht stattfinden kann, sei bereits seit Monaten bekannt, meint Seitz. Damit sorgt der Fernwärmeausbau schon zum zweiten Mal für den Wegfall der Veranstaltung: 2014 wurde direkt entlang des Festgeländes auf der Innsbrucker Straße gegraben.

Dass heuer wieder nicht vor der Kirche aufgetanzt werden kann, sorgt bei Festfreunden für nach unten gezogene Mundwinkel und wirft Wirt Armin Wimmer Zornesfalten auf die Stirn. „Wir fühlen uns übergangen“, meint Armin Wimmer, Chef des „Wildschönauer Bahnhofs“. „Das Fest findet jedes Jahr statt, wir Wirte hatten den Termin für 7. September schon fixiert gehabt.“ Die Enttäuschung, dass man bei der Planung der Bauarbeiten inklusive Verkehrsumleitungen nicht auf das beliebte Fest Rücksicht genommen hat, ist groß.

Am Angather Weg wird das neue Fernwärmenetz ausgebaut. Die Straße ist nur einspurig befahrbar – der Verkehr von der Hauptstraße kann daher laut Polizei nicht hierher umgeleitet werden.
Am Angather Weg wird das neue Fernwärmenetz ausgebaut. Die Straße ist nur einspurig befahrbar – der Verkehr von der Hauptstraße kann daher laut Polizei nicht hierher umgeleitet werden.
- Hrdina

Von Seiten der Stadtwerke heißt es, man habe den Bautermin nicht anders legen können, weil u. a. die ÖBB als Grundbesitzer einiger betroffener Bauabschnitte eine Fertigstellung pünktlich zum Schulbeginn forderten. Nach dem Bombenfund in der Ladestraße (die TT berichtete) hätten sich die Arbeiten außerdem verzögert.

Ein späterer Festtermin sei wiederum für die Wirte nicht in Frage gekommen. „Im September wird es abends schon ziemlich kalt, das wäre dann eher ein Schneefest“, lacht Organisator und Wirt der „Alten Post“ Hannes Silberberger. Er nimmt die Fest-Pause heuer allerdings etwas entspannter. „Wir müssen uns nun mal damit abfinden, dass es nicht möglich ist.“ Nächstes Jahr soll es jedenfalls wieder ein Fest geben. „Und die Gäste können ja auch gerne so jederzeit zu uns ins Wirtshaus kommen.“