Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.08.2019


Exklusiv

Touristen und Tiroler: Werden sie gleich behandelt?

Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob Touristen gegenüber Tirolern bevorzugt werden, oder umgekehrt. Laut Konsumentenschutz ist beides rechtlich problematisch.

Der Blick auf Innsbruck. Auch Einheimische können die Innsbruck Card kaufen.

© Thomas Boehm / TTDer Blick auf Innsbruck. Auch Einheimische können die Innsbruck Card kaufen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Im Sommer sind auch die Tiroler vermehrt mit den Öffis unterwegs. Für Einzelkarten müsse man tief in die Tasche greifen, beklagt eine Mutter. Mit der „Welcome Card“, einst Gästekarte, können Touristen VVT-Busse innerhalb der Urlaubsdestinationen kostenlos nutzen. Das gilt aber nicht für Innsbruck. Hier besteht die Möglichkeit, die Innsbruck Card zu erwerben. Sie ist zeitlich gestaffelt und bietet eine Vielzahl an Vergünstigungen. Im Gegensatz zu vielen anderen attraktiven Karten, die an die Gästekarte gekoppelt sind, können diese auch Tiroler, so Innsbruck Tourismus, kaufen.

Immer wieder flammt hierzulande die Diskussion auf, ob Einheimische benachteiligt werden. Die Touristiker argumentieren stets, dass alle in Tirol vom Tourismus profitieren. Die Gäste würden zudem Kurtaxe zahlen. Doch auch jeder Tiroler Unternehmer, egal ob Bestatter oder Florist, muss mit Pflichtbeiträgen sein Scherflein beitragen. Tirols NEOS-Chef Dominik Oberhofer will aktuell die Finanzierung des Tourismus auf neue Beine stellen, die TT berichtete.

Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl hält generell fest: „Egal aus welchen Budgets die Gästekarte finanziert wird. Urlauber können viele Freizeiteinrichtungen und Zubringerdienste verbilligt oder gratis nutzen. Die Einheimischen müssen zahlen und fühlen sich benachteiligt. Für eine positive Tourismusgesinnung sind das keine guten Voraussetzungen.“

Die Seilbahner verweisen indes auf Verbundkarten, wie das Freizeitticket, das es Tirolern ermöglicht, günstig auf den Pisten unterwegs zu sein, aber auch Sommeraktivitäten verbilligt anbietet. Zudem würde man trotz des Widerstandes aus Brüssel unverändert Einheimischenpreise anbieten.

Laut Reinhold Schranz, Jurist des EU-Verbraucherzentrums, ist weder eine Bevorzugung der Einheimischen noch eine Bevorzugung der Touristen EU-rechtlich möglich.

Er erhalte aber hauptsächlich Beschwerden von Gästen, die sich in Tirol und Vorarlberg gegenüber den Einheimischen benachteiligt fühlen, vor allem Deutsche und Niederländer. „Unlängst meldete sich ein Tscheche, der einmal ein Freizeitticket erhielt, das Jahr darauf aber dann nicht mehr. Er hätte dafür seinen Hauptwohnsitz in Tirol haben müssen.“ Nach Anfrage der Konsumentenschützer trat man seitens der Verantwortlichen des Freizeittickets den Rückzug an und gestattete das Ticket.

Ein Außerferner, der mit Familie aus beruflichen Gründen in Amsterdam lebt, beschäftigt derzeit das Landhaus. Da er im Winter viel in Tirol ist, beantragte er die „Tirol-Regio Card“, diese wurde ihm verwehrt. Nach Intervention des Europäischen Verbraucherzentrums Österreich wurde die Ausfolgung der „Regio Card“ in Aussicht gestellt.

Beim VVT erklärt man, jeder Tiroler Fahrgast profitiere täglich vom Tourismus. „Viele Bus- und Bahnlinien können nur durch die enge Kooperation mit Partnern, wie den Tourismusverbänden, angeboten werden“, so Sprecherin Stefanie Aigner.

Zudem werde das Angebot für die Tiroler laufend verbessert: Jahreskarten-Besitzer können mit dem Huckepack-Bonus an schulfreien Tagen ihre Kinder unter 15 Jahren gratis in allen Verkehrsmitteln mitnehmen – im Geltungsbereich der Karten. Als Nachweis dient der Familienpass. Für Gelegenheitsfahrer gibt es zudem das „Tages-Ticket 2Plus“, das „Family-Ticket“ und das „Family-Light-Ticket“ (Info: www.vvt.at).