Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2019


Exklusiv

Mitnahme von Hunden in Innsbrucker Taxis bleibt ein Aufreger

Ein Taxi für eine Fahrt mit Hund zu finden, wurde für eine Innsbruckerin zum Problem. Laut Funkzentrale spielen bei Fahrern Glaubensgründe mit.

Blindenführhunde müssen im Taxi hingegen auf alle Fälle mitgenommen werden – wobei es auch hier schon Probleme gab.

© BSVTBlindenführhunde müssen im Taxi hingegen auf alle Fälle mitgenommen werden – wobei es auch hier schon Probleme gab.



Von Michael Domanig

Innsbruck – Auch nach Wochen sind Ärger und Unverständnis bei Gabriele Jandrasits aus Innsbruck groß. Vor dem Urlaub wollte sie ein Taxi zum Flughafen vorbestellen – und dabei ihren kleinen Hund, einen Beagle-Jack-­Russell-Mischling, in einem flugzeuggerechten Transportkäfig mitnehmen. Doch obwohl sie bereits am Vorabend anrief, habe man ihr bei der Funk-taxizentrale erklärt, dass man den Transport für den nächsten Morgen nicht garantieren könne. Als Begründung habe man ihr mitgeteilt, dass es die meisten Fahrer aus Glaubensgründen ablehnen würden, Hunde mitzunehmen. Danach habe man sie direkt an eine Taxinummer verwiesen – dort habe man ihr die Vorausbestellung samt Hundetransport dann zugesichert.

„Wenn es klare Richtlinien gäbe – zum Beispiel, dass bestimmte Hunderassen nicht im Fahrgastraum transportiert werden dürfen, dass die Hunde angeleint und mit einem Maulkorb versehen sein müssen oder in einer Transportbox mitzuführen sind –, würde ich das ja verstehen“, ärgert sich die Hundebesitzerin, „so ist das Ganze aber einfach willkürlich.“ Frau Jandrasits, die für den Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol arbeitet, nennt noch ein weiteres Beispiel: Ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Verbandes – die Dame ist vollblind – bestellte ebenfalls über die Funkzentrale ein Taxi. In der Annahme, dass ihr Blindenbegleithund ohnehin mitgenommen werden müsse, habe sie den Hund telefonisch gar nicht erwähnt. Der Taxifahrer habe dessen Mitnahme dann aber verweigert.

Die Geschäftsführer der Innsbrucker Funktaxizentrale, Anton Eberl und Harald Flecker, entschuldigen sich ausdrücklich für die Vorfälle, bieten der Passagierin als Geste einen Gutschein an – und bestätigen die Problematik prinzipiell: „Wir sind selbst nicht Eigner der Taxis, sondern vermitteln nur“, schickt Flecker voraus. Fakt sei aber, dass mittlerweile rund 80 Prozent der Fahrer einen Migrationshintergrund hätten – und dass Muslime Hunde traditionell häufig als „unrein“ ansehen würden.

Eine Fahrt mit Hündin Alba zum Flughafen konnte von der Funktaxizentrale nicht garantiert werden, da viele Fahrer Hundetransporte ablehnen würden.
Eine Fahrt mit Hündin Alba zum Flughafen konnte von der Funktaxizentrale nicht garantiert werden, da viele Fahrer Hundetransporte ablehnen würden.
- Jandrasits

„Wir versuchen, den Fahrern immer wieder begreiflich zu machen, dass so etwas bei uns nicht geht und dass diese Fahrten genauso auszuführen sind wie jeder andere Auftrag. Im Moment sind wir aber leider nicht in der Lage, dieses Problem wirklich befriedigend zu lösen“, sagt Flecker.

Hinzu komme die hohe Fluktuation bei den insgesamt über 400 Fahrern. „Wir müssen sie immer wieder neu informieren und ihnen die Regeln vermitteln.“

Flecker gibt einen Einblick in die Praxis: „Alle Fahrer haben Taxi-Funkberechtigungskarten, die sie für Funkaufträg­e verwenden müssen. Wenn wir einen Auftrag vergeben, sehen wir also, ob der Fahrer Haustiertransporte macht oder nicht. Wir bieten die Fahrten dann natürlich nur jenen Fahrern an, bei denen wir wissen, dass sie diese durchführen. Wie lange es dauert, können wir dann aber leider nicht garantieren.“

Natürlich gebe es vor allem im Winter zum Teil auch Probleme mit sehr großen Hunden, die mit ihren schmutzigen Pfoten auf die Sitzbank wollen, ergänzt Flecker. „Das geht auch nicht, weil sich die nachfolgenden Kunden zu Recht beschweren würden.“

Was hingegen den Transport von Blindenführhunden und anderen Assistenzhunden betrifft, müsse dieser in jedem Fall durchgeführt werden, stellen Eberl und Flecker sofort klar.

Das bestätigt auch Gabriel Klammer von der Wirtschaftskammer Tirol, Sparte Transport und Verkehr: „In der neuen Landes-Betriebsordnung – sie wird derzeit gerade novelliert – wird das explizit als Pflicht des Lenkers angeführt.“

Davon abgesehen kenne die Beförderungspflicht prinzipiell auch Ausnahmen – wenn etwa ein Transport für die Aufrechterhaltung des ordnungsgemäßen Fahrbetriebs oder aus hygienischen Gründen nicht zumutbar sei, könne der Fahrer Nein sagen.

Was den Transport von Hunden angeht, hat Klammer eine klare Empfehlung: Er verweist auf die kostenlose Taxi-App „TaxiAT“ (sowie auf die Homepage taxiat.at): Dort gebe es unter Spezialsuche diverse Auswahlmöglichkeiten, darunter auch Haustiertransporte. Allein in Innsbruck gebe es mehrere Taxibetriebe, bei denen die Mitnahme von Hund & Co. kein Problem sei. „Das Ganze kann für jene Anbieter, die es sehr gerne machen, ja sogar eine Marktlücke und ein Qualitätskriterium sein“, schließt Klammer.