Letztes Update am Do, 15.08.2019 22:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hoher Frauentag 2019

„Vergelt‘s Gott“: 21 Lebensretter und 188 Bürger Tirols geehrt

Ob im Großen oder im Kleinen — für ihr unermüdliches Engagement wurden am Donnerstag wieder mehr als 200 Tiroler ausgezeichnet. Besondere Ehre gebührt dabei 21 mutigen Lebensrettern, die im entscheidenden Moment großen Mut bewiesen haben.

Die Verleihungen fanden im Riesensaal der Hofburg in Innsbruck statt.

© Land Tirol/Die FotografenDie Verleihungen fanden im Riesensaal der Hofburg in Innsbruck statt.



Innsbruck — Sie beschützten vor einem Stierangriff, retteten Kinder aus den Flammen und waren bei Verkehrunfällen sofort zur Stelle: 21 Tiroler haben in den vergangenen Monaten Leben gerettet. Anlässlich des Hohen Frauentags 2019 wurden sie am Donnerstag mit Lebensrettungsmedaillen geehrt. Im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg vergaben die Landeshauptleute Günther Platter und Arno Kompatscher außerdem insgesamt 188 Verdienstkreuze und Verdienstmedaillen. Ebenfalls ab dem heutigen Tag erhalten 13 Hofbesitzer aus Nord-, Ost- und Südtirol das Recht, den Titel „Erbhof" zu führen. Das bedeutet, dass er seit mehr als 200 Jahren im Besitz derselben Familie ist.

„Ohne sie wäre unser Land um vieles ärmer"

„Ob in Kultur- und Sportvereinen, im Gesundheitswesen oder im Sozialbereich — in nahezu allen Lebensbereichen treffen wir tagtäglich auf Menschen, die ihre Zeit mit ihren Mitmenschen teilen, helfen, unterstützen, anpacken — sei es im Großen wie im Kleinen. Dieser Einsatz ist unbezahlbar und soll entsprechend gewürdigt werden. Ohne Menschen wie sie wäre unser Land um vieles ärmer", betonte Platter in seiner Festansprache. Er dankte auch den Angehörigen für ihr Verständnis, ihre Unterstützung und ihre Bereitschaft zum Verzicht.

„Diese Frauen und Männer werden stellvertretend für die zahlreichen Ehrenamtlichen ausgezeichnet, die unbezahlbare Dienste für die Gemeinschaft leisten. Sie sind es, die nicht nur die eigenen Egoismen überwinden, sondern oft sogar so weit gehen, das eigene Leben zu gefährden, um anderen zu helfen", pflichtete Kompatscher bei.

Herzliches „Vergelt's Gott" für 20 Lebensretter

„Ein herzliches ,Vergelt's Gott'" sprach Platter insbesondere den 21 Lebensrettern aus, die sich oft selbst in Gefahr brachten. So etwa die Innsbruckerin Lisa Alp, die erst vor wenigen Wochen bei einem Vollbrand im Grünwalderhof Mut bewies und zwei Kinder in Sicherheit brachte. Mehrere Menschenleben vor Flammen retteten auch Jasmin Kircher aus Vomp und Elisabeth Oberdacher aus Weerberg. Als im Altenwohnheim St. Josef in Schwaz ein Brand ausbrach, befreiten die beiden Frauen die Bewohner aus ihren verrauchten Zimmern — noch bevor die Rettungskräfte eintrafen.

Simon Leis aus Axams und Rene Vindl aus Grinzens kamen zufällig bei einem brennenden Gartenhaus in Götzens vorbei, löschten das Feuer und retteten eine Person. Etliche Meraner verdanken Andreas Marth ihr Leben. Er rettete bei einem Wohnungsbrand am St.-Vigil-Platz sieben Personen und half anschließend der Feuerwehr, noch weitere Personen in Sicherheit zu bringen.

Einen heldenhaften Start in die Volljährigkeit erlebte David-Samuel Perktold aus Imst im vergangenen Jahr: An seinem 18. Geburtstag rettete er die Familie Friedl aus Imst mit ihren beiden fünf und sieben Jahren alten Kindern vor dem Feuertod. Er half zunächst ihnen und alarmierte dann die restlichen Mieter sowie die Einsatzkräfte.

Alain und Ulrike Scherpereel aus Volders retteten gemeinsam mit einer Nachbarin eine alte Frau aus ihrer brennenden Wohnung und leisteten Erste Hilfe. In Gefahr begab sich außerdem Feuerwehrmann Christoph Schipflinger aus Kirchberg. Er betrat ohne Atemschutzausrüstung ein brennendes Gebäude und konnte so fünf Menschen in letzter Sekunde in Sicherheit bringen.

Als Babysitterin rettete Nathalie Berger aus Jenbach dem kleinen Felix das Leben. Sie war mit dem Buben im Kinderwagen unterwegs, als es in unmittelbarer Nähe zu einem Verkehrsunfall kam. Ein Auto wurde in ihre Richtung geschleudert, Berger stieß den Kinderwagen rechtzeitig zur Seite. Das Kind blieb unversehrt, die Lebensretterin kam mit Quetschungen und Prellungen davon. Vor einer ganz anderen Gefahr rettete Andrea Röck aus Wenns ihren Gatten. Er wurde von einem 850 Kilo schweren Stier attackiert, seine Frau konnte den Angriff nur mit einem Hirtenstock bewaffnet abwehren.

Zwei schwer verletzte 16-jährige Mädchen, die mit ihrem Moped über eine 2,5 Meter hohe Mauer in den Axamerbach gestürzt waren, rettete Thomas Watzdorf aus Zirl. Er sprang über die Mauer, leistete Erste Hilfe und alarmierte die Rettung. Ähnlich beginnt die Geschichte von Christoph Kellner aus Ismaning und Marcel Kunzemann aus Ehrwald: Bei einem Unfall stürzte ein Auto in einen Bach und blieb dort auf dem Dach liegen. Die beiden Retter sahen es und wateten im eiskalten Wasser zum Wagen. Sie befreiten den Fahrer und brachten ihn zum Ufer.

Nathalie Berger aus Jenbach rettete einem Kleinkind das Leben.
Nathalie Berger aus Jenbach rettete einem Kleinkind das Leben.
- Land Tirol/Die Fotografen

Hundeführer Richard Pali aus St. Johann rettete mit der Hilfe von Lawinenhund Hazel einen 29-jährigen Deutschen in Waidring aus einer Lawine. Sebastian Antretter aus Westendorf tat es ihm im Skigebiet Hopfgarten gleich, dank Lawinenhündin Asta konnte ein Verschütteter lebend geborgen werden. Einem holländischen Wanderer, der am Kellerjoch abgestürzt war, retteten Florian Bauernfeind aus Hainzenberg, Andreas Gruber aus Stumm und Walter Mauracher aus Rohrberg das Leben.

Zivilcourage bewies Helmut Mair aus Sautens, der Zeuge eines gewalttätigen Ehestreits wurde. Ein Mann verletzte seine Frau mit einem Messer am Hals, Helmut Mair schritt ein und stoppte den Angriff. Als der Täter daraufhin flüchtete, wollte er seine schwer verletzt am Boden liegende Frau überfahren. Im letzten Moment gelang es dem Retter, sie von der Straße zu ziehen, in seinem Haus in Sicherheit zu bringen und die Rettungskräfte zu alarmieren. (TT.com)