Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.08.2019


Bezirk Schwaz

Erinnerungen an die Granatschürfer im Zillertal

Vor 50 Jahren fanden deutsche Urlauber im Zillertal ein Relikt aus der Granatschürferzeit. Jetzt kehrte es zurück.

Thomas Heyer, Walter Ungerank und Heiko Busch (v. l.) mit den Fundstücke­n aus dem Zemmgrund.

© UngerankThomas Heyer, Walter Ungerank und Heiko Busch (v. l.) mit den Fundstücke­n aus dem Zemmgrund.



Von Angela Dähling

Ginzling – Mineraliensammler Walter Ungerank aus Aschau staunte letzte Woche nicht schlecht, als ihm von seinen Sammlerkollegen Heiko Busch und Thomas Heyer aus Kriftel drei besondere historische Funde übergeben wurden. Sie alle stammen aus der Zeit des Granatschürfens, das im hinteren Zillertal im späten 19. Jahrhundert populär war. „Erst diente der Granat, dessen erste Funde im Zillertal 1745 dokumentiert sind, als Feuerstein. Dann erfuhr man, dass die Steine in Böhmen als Schmucksteine verwendet werden“, weiß Ungerank. Früher wurde das Granatgestein händisch zerkleinert. Ab 1870 erledigte das „Ausstampfe­n“, also Zerkleinern, ein so genanntes mit Wasserkraft betriebenes Pochwerk am Waxegg­bach.

Vor genau 50 Jahren entdeckte das Ehepaar Warnebold aus Darmstadt in der Gegend um die Berliner Hütte die spärlichen Reste der ehemaligen Granatmühle und fand tatsächlich auch noch einige Relikte des alten Pochwerkes. Neben alten, handgeschmiedeten Nägeln wurde auch ein „Stempel“ dieser Hammeranlage gefunden, der zum Zerkleinern der Steine diente.

Es ist ein Vierkant-Zirbenstamm, dessen Ende in einem geschmiedeten Eisenschuh steckt. Später fanden sie noch einen geschmiedeten Eisenring. Dieser umklammerte offensichtlich einmal die hölzerne Welle, welche das Hammerwerk antrieb. Durch diese Stücke blieb die Erinnerung an das Zillertal ein Leben lang bestehen. Nach dem Tod von Herrn Warnebold wurde Hans-Peter Schröder aus Frankenthal neuer Besitzer. Er sorgte dafür, dass Heiko Busch und Thomas Heyer die Relikte ins Zillertal zurückbrachten. Busch und Heyer fanden vor rund zehn Jahren im Bereich des Rossrückens im Zemmgrund noch eine alte Schaufel der ehemaligen Granatschürfer, die sie ebenfalls Ungerank überließen. Alle drei Exponate werden nun im Rahmen eines Forschungsprojektes von der Uni Innsbruck dokumentiert und sollen dann im künftigen Kristallmuseum in Ginzling ausgestellt werden.

Ein alter Stich aus dem Jahr 1878, auf dem ersichtlich wird, wie das Zerkleinern der Steine im Pochwerk vonstattenging.
Ein alter Stich aus dem Jahr 1878, auf dem ersichtlich wird, wie das Zerkleinern der Steine im Pochwerk vonstattenging.
- Ungerank

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