Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.08.2019


Osttirol

Bis zu 288 Jahre alte Botschaften am Kirchturm in Gaimberg entdeckt

Bei der Außenrenovierung der Grafendorfer Pfarrkirche hat man in der Kugel unterm Turmkreuz zwei Zeitkapseln entdeckt.

In dieser Kugel unterhalb des Turmkreuzes der Pfarrkirche Grafendorf waren drei Botschaften aus früheren Zeiten verwahrt.

© WebhoferIn dieser Kugel unterhalb des Turmkreuzes der Pfarrkirche Grafendorf waren drei Botschaften aus früheren Zeiten verwahrt.



Von Christoph Blassnig

Gaimberg – Die Fassaden sowie die Dächer von Turm und Kirchenschiff der Grafendorfer Pfarrkirche wurden zuletzt gründlich renoviert. Im Zuge dieser Arbeiten haben die Fachleute um den Dölsacher Turmdeckermeister Andreas Mayerl drei Schriftstücke in zwei metallenen Behältern im Inneren jener Kugel vorgefunden, die auf der Turmspitze direkt unter dem Kreuz angebracht ist.

Pfarrer Martin Höfer „zu Dölsach und Gräfendorffe“ hinterließ am 10. Juli des Jahres 1731 eine handschriftliche Notiz, die in der Kugel 288 Jahre überdauert hat. Nachdem der „Thurm gänzlich neu gedekhet“ und das Mauerwerk renoviert worden war, dokumentierte der Geistliche schriftlich unter anderem die Herrschaftsverhältnisse seiner Zeit.

Erst im Jahr 1899 hat man die Kirche abermals renoviert. Papst war zu dieser Zeit Leo XIII., Kaiser Franz Josef regierte in Österreich. „Der Thurm wurde mit Kupfer neu bedeckt vom Spänglermeister Mayerotto in Lienz“, hielt Pfarrer Franz de Paula Mair in einer zweiten Botschaft fest. Es wurde eine neue Kugel aufgesetzt, in die man auch die alte Schriftrolle Höfers wieder eingebracht hat.

„Im dritten Jahr des schrecklichen Weltkrieges“ musste im Jahr 1916 unter Pfarrer Johann Burger jenes Kupferdach wieder abgenommen und gemeinsam mit zwei Glocken der Heeresverwaltung übergeben werden. Burger notierte am 14. August 1916 als jüngste Botschaft in der Turmkugel, dass oft Kanonendonner zu hören war, bei Tag und Nacht. Im März seien einmal mehr als 20.000 Mann in und um Lienz stationiert gewesen, darunter Mannschaften aus Ungarn, Böhmen, Bosnien, Steiermark und Tirol – von Katholiken, Protestanten, Juden, Mohammedanern, Griechen, Guten und Schlechten, Alten und erst 18- und 19-Jährigen berichtete Burger.

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Diese drei historischen Schriftstücke werden von nun an, sicher vor Umwelteinflüssen, im Pfarrarchiv von Grafendorf verwahrt. Ein aktuelles Dokument ist derzeit in Vorbereitung und wird zusammen mit Kopien der alten Botschaften in die Kugel gegeben – in Papierform und digital auf einem Datenstick.