Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Talentförderung

Begabtenförderung: Vom Durchschnitt zu mehr Supertalenten

Österreich hinkt bei der Förderung von Talenten der Spitze nach. Neue Initiativen zur Individualisierung an den Schulen sollen das ändern.

Wenn ein Kind ein besonderes Talent von sich aus über längere Zeit verfolgt, dann sollte man diese Begabung gezielt fördern.

© iStockphotoWenn ein Kind ein besonderes Talent von sich aus über längere Zeit verfolgt, dann sollte man diese Begabung gezielt fördern.



Von Theresa Mair

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Innsbruck – Ab 1. September wird das Österreichische Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) mit der Päda­gogischen Hochschule (PH) in Salzburg zusammengeführt. Ursprünglich auf eine Anregung des Bundesrechnungshofes zurückzuführen, freut sich PH-Rektorin Elfriede Windischbauer über die Zusammenlegung, „weil wir damit Kontakte und Kompetenzen zu diesem Thema bündeln“.

An der PH Salzburg laufen seit Längerem Forschungsprojekte, etwa zu naturwissenschaftlicher, sportlicher und sprachlicher Begabung. „Wir wollen jetzt Angebote für ganz Österreich entwickeln“, sagt die Rektorin. Die Aufgabe der Mitarbeiter des ÖZBF werde es sein, die Kontakte mit den Bildungsdirektionen herzustellen und die Forschungsergebnisse ins Klassenzimmer zu bringen. Es gehe darum, Lehrer zu befähigen, besondere Begabungen ihrer Schüler zu erkennen und diese richtig zu fördern. Das genaue Aufgabenfeld werde am 17. September mit Vertretern des Bildungsministeriums abgesteckt.

Österreich habe klar Aufholbedarf bei der Förderung von hochbegabten Schülern. „In Kanada und anderen Ländern geht es darum, dass die Menschen nach ihren Fähigkeiten gefördert werden, bei uns soll jeder immer alles können“, sagt Windischbauer. Es sei typisch österreichisch, dass Menschen, die – wie auch immer – hervorstechen, mit Argwohn betrachtet würden.

„Besondere Begabungen werden manchmal anerkannt, z. B. im Sport und der Musik. Da sind dann immer alle total stolz. In anderen Bereichen gibt es Vorbehalte. An dieser Haltung müssen wir arbeiten. Jeder Mensch muss seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden.“ Diese Einschätzung teilt Christian Kraler vom Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der Uni Innsbruck. Viele hätten ein falsches, klischeehaftes Bild vom Hochbegabten als psychisch oder sozial auffällig.

Für Tirol sieht er eine Herausforderung in den Regionen, in denen die Schulauswahl begrenzt ist. „Wir dürfen nicht die Schüler den Schulen anpassen, sondern die Schule muss so sein, dass sie für die Kinder geeignet ist.“ Als Beispiel für die Individualisierung nennt er die „Modellregion Bildung Zillertal“, wo an der Gestaltung des Bildungssystems für die Region und damit an der nachhaltigen Förderung von Talenten gearbeitet werde. Chancen sieht Kraler auch in der Digitalisierung: Mit Online-Programmen könnte man die Besten eines Fachs unabhängig von ihrem Aufenthaltsort zusammenbringen.

Eltern, die bei ihrem Kind ein besonderes Talent entdecken, empfiehlt der Experte, zunächst entspannt damit umzugehen. „Es ist wichtig, das Kind immer noch als Kind im Ganzen wahrzunehmen. Die Hochbegabung ist nur ein Teil von ihm. Viele entdecken noch andere Interessen, Hochbegabung ist keine Einbahnstraße und kein Garant für eine Karriere“, betont er.

Manche Kinder seien in ihrer Entwicklung auch einfach früher dran und würden sich später wieder den anderen angleichen. Wenn ein Kind ein Interesse aber über Monate verfolgt und vor allem wenn es aus ihm selbst kommt, dann sollten Eltern bzw. Lehrer das Gespräch miteinander suchen. „Es ist eine He­rausforderung für Schule und Eltern, Hochbegabung zu fördern. Wir fördern damit auch unsere Zukunft“, sagt Kraler. Ansprechpartner für die Begabungsabklärung sind die schulpsychologischen Beratungsstellen in den Bezirken sowie die Bundeslandkoordinationsstelle in der Bildungsdirektion. Zur Förderung von begabten Schülern empfiehlt die Bildungsdirektion schulische und außerschulische Maßnahmen.

In der Schule gibt es Möglichkeiten, in höhere Klassen hineinzuschnuppern, eine Klasse zu überspringen oder auch Lehrinhalte zu vertiefen. Es bietet sich die Teilnahme an naturwissenschaftlichen Olympiaden oder Redewettbewerben an. Schon bei der Wahl der Schule kann man sich an bestimmten Schwerpunkten orientieren. Außerschulisch gibt es Angebote, z. B. über die Junge Volkshochschule und die Junge Uni Innsbruck.