Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Bezirk Reutte

ARA-Nachtflüge retteten bereits Leben im Außerfern

Seit einem Monat fliegt die ARA auch in den Nachtstunden. Es gab bereits einige lebensrettende Einsätze bei Dunkelheit. Zudem ließen Unfälle im alpinen Gelände die Zahl der Windenbergungen stark steigen.

Schwerer Unfall vor wenigen Tagen auf der B179: Der RK2 war trotz Dunkelheit rasch vor Ort und brachte intensivmedizinische Hilfe.

© ARA/KKSchwerer Unfall vor wenigen Tagen auf der B179: Der RK2 war trotz Dunkelheit rasch vor Ort und brachte intensivmedizinische Hilfe.



Von Simone Tschol

Ehenbichl – Vom Suchscheinwerfer des ARA-Notarzthubschraubers RK2 hell erleuchtet wurde Donnerstagabend die Sonnenspitze. Was von mehreren Ehrwaldern als durchaus spektakulär wahrgenommen wurde, stellte sich letzten Endes als Fehlalarm heraus. Trotz vermeintlicher Notsignale konnten keine Personen am Berg gesichtet werden. Der Heli drehte wieder ab, der Bergrettung, die in Alarmbereitschaft war, blieb der nächtliche Aufstieg erspart. „Gerade in so einem Fall ist es schon toll, dass der RK2 jetzt bis 22.30 Uhr fliegt“, sagt BR-Ortsstellenleiterin Regina Poberschnigg gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

Seit die ARA Flugrettung Ende Juli mit dem Notarzthubschrauber RK2 ihre Dienstzeiten von Sonnenuntergang auf 22.30 Uhr ausgedehnt hat, gab es bereits einige lebensrettende Einsätze bei Nacht. „Das Schicksal ist unbarmherzig und hält sich nicht an Uhrzeiten. Zuletzt haben wir bei Nacht ein Kleinkind in kritischem Zustand ins Klinikum nach München geflogen“, erzählt ARA-Stationsleiter und Pilot Christian Brunnlechner. Die Reaktionen auf die Dienstzeitenerweiterung seien durchwegs positiv.

Aber nicht nur in den Nachtstunden, auch untertags hat die Heli-Crew alle Hände voll zu tun. Im ersten Halbjahr 2019 ist der RK2 zu 440 Einsätzen gestartet. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hob er 435-mal ab. Rund ein Drittel der Flüge führten ins deutsche Einsatzgebiet. Innerdeutsche Überstellungen (Sekundärtransporte) wurden in diesem Zeitraum exakt elf durchgeführt. Diese Transporte sind bei der ARA Flugrettung derzeit ein besonders sensibles Thema. „Denn“, so ARA-Geschäftsführer Thomas Jank, „aus wirtschaftlicher Sicht gestalten sich diese Einsätze für uns höchst problematisch. Aber auf die Einsatzdisponierung haben wir keinen Einfluss. Wir fliegen dorthin, wo uns die Leitstelle hinschickt.“

Einsatz Donnerstagabend rund um die Ehrwalder Sonnenspitze: Die Mannschaft leuchtete die Felswände nach etwaigen verstiegenen Personen aus (l.).
Einsatz Donnerstagabend rund um die Ehrwalder Sonnenspitze: Die Mannschaft leuchtete die Felswände nach etwaigen verstiegenen Personen aus (l.).
- ARA

Auffallend gestaltet sich die Entwicklung bei den Windenbergungen. Allein heuer wurden bereits 74 Einsätze mit der fix angebauten und 90 Meter langen Seilwinde absolviert. „Im Jahr 2018 haben wir die Winde 180-mal eingesetzt. 2016 waren es lediglich 96 Einsätze“, erklärt ARA-Windenoperator Gerd Amann.

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Diese extreme Steigerung von fast 100 Prozent kommt für Amann allerdings nicht wirklich überraschend: „Egal, ob Sommer oder Winter, die Menschen zieht es vermehrt in die Berge. Und bei Unfällen im alpinen Gelände können wir mit unserer Winde einfach schneller medizinische Hilfe zum Verunfallten bringen und diesen zeiteffizient ins nächstgelegene Krankenhaus fliegen.“