Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.09.2019


Bezirk Schwaz

Zurück zum Ursprung am Berg für die Benediktiner

Bischof Hermann Glettler weihte gestern das umgebaute und sanierte Kloster St. Georgenberg im Rahmen eines Festgottesdienstes ein.

Nach anderthalb Jahren Umbauzeit werden nun fünf Benediktiner in St. Georgenberg wohnen.

© Diözese/GstaltmeyrNach anderthalb Jahren Umbauzeit werden nun fünf Benediktiner in St. Georgenberg wohnen.



Fiecht – Gestern Vormittag hat Bischof Hermann Glettler in einem feierlichen Festgottesdienst nach eineinhalb Jahren Umbau und Sanierung das Kloster St. Georgenberg in Fiecht eingeweiht.

Damit ist auch der Umzug des Konvents der Benediktiner vom Kloster Fiecht zurück auf den Georgenberg abgeschlossen. „Es war ein Jahr intensiver Arbeit, das heute seinen Abschluss findet“, sagte P. Raphael Gebauer, Administrator-Prior des Konvents der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht. Gebauer lebte schon vor der Sanierung des Klosters 14 Jahre lang allein auf dem Georgenberg als Wallfahrtsseelsorger. „Jemand musste sich ja um die Seelsorge der Pilger kümmern und außerdem musste die Kirche geöffnet und wieder versperrt werden“, erklärt er.

Geschaffen wurde ein Übergang vom Mönchstrakt zum Gästebereich. Ebenso wurde ein Anbau errichtet, in dem der Pfortenbereich, die Küche, die neue Chorkapelle und ein Klosterladen untergebracht sind, sodass ein benediktinisches Leben möglich ist. Die anderen Gebäude wurden grundsaniert. Man habe damit einen wichtigen Schritt in die Zukunft der Gemeinschaft der Abtei gesetzt, so P. Raphael Gebauer. Durch den Umzug habe sich die Lebensqualität verbessert: Vom Leben neben der Autobahn in die grüne Oase St. Georgenberg. Der Wallfahrtsort St. Georgenberg erfahre durch die Bündelung der Kräfte eine Stärkung. In Zukunft werde auch ein Verweilen in den Gastzellen des Klosters möglich. Bischof Hermann Glettler: „Die Benediktinermönche des Stiftes Fiecht gehen an den geistlichen Ursprungsort ihres Stiftes zurück. Die exponierte Lage und der notwendige Aufstieg faszinieren und verstärken die Sehnsucht, die viele Menschen unserer Zeit zu heiligen Orten aufbrechen lässt. St. Georgenberg wird in Zukunft noch deutlicher ein Ort des Ankommens und des Gebetes für viele Gläubige und Suchende sein.“

Bruder Johannes, P. Raphael Gebauer OSB, Bischof Hermann Glettler, Altabt Anselm Zeller OSB und Erzabt Wolfgang Öxler OSB (Erzabtei Sankt Ottilien, v. l.) mit Ministranten bei der Segnung der neuen Bibliothek.
Bruder Johannes, P. Raphael Gebauer OSB, Bischof Hermann Glettler, Altabt Anselm Zeller OSB und Erzabt Wolfgang Öxler OSB (Erzabtei Sankt Ottilien, v. l.) mit Ministranten bei der Segnung der neuen Bibliothek.
- Diözese/Gstaltmeyr

Die über tausendjährige Geschichte begann im 10. Jahrhundert, als Rathold von Aibling aus dem Geschlecht der Rapotonen im Stallental eine klösterliche Niederlassung gründete. Bischof Reginbert von Brixen erhob die klösterliche Gemeinschaft zur Benediktinerabtei, was Papst Innozenz II. 1138 bestätigte. Mehrere Großbrände (1284, 1448, 1637, 1705), die Pest und Epidemien beutelten das Klosterleben. 1706 begannen die Bauarbeiten im Inntal. 1807 wurde das Kloster von der bayerischen Regierung aufgehoben, 1816 kehrten die Benediktiner von St. Georgenberg nach Fiecht zurück. 1941 wurde das Kloster von den Nationalsozialisten aufgehoben. Erst 1950 wurde es den Benediktinern wieder zurückgegeben.

Vor drei Jahren gaben die Benediktiner bekannt, das Stiftsgebäude in Fiecht aus personellen und finanziellen Gründen aufgeben zu wollen und in das Ursprungskloster auf den St. Georgenberg zurück zu übersiedeln. Künftig leben in der Abtei St. Georgenberg fünf Mitglieder des Konvents. Zwei Benediktiner bleiben im ehemaligen Stift Fiecht, um dort eine kleine benediktinische Präsenz zu erhalten. Die barocke Stiftskirche Fiecht bleibt als Pfarrkirche erhalten. Für die anderen Gebäude ist die Abtei mit dem Unternehmer Christoph Swarovski eine Partnerschaft eingegangen. Aus dem früheren Klosterkomplex soll eine Bildungsstätte mit landesweiter Bedeutung entstehen. (TT)