Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Gesellschaft

„Lufttaxis und Drohnen fliegen bereits, Regeln fehlen“

Österreich gehört zu den Vorreitern beim Bau von unbemannten Luftfahrzeugen. Der Luftraum ist darauf noch nicht vorbereitet.

Drohnen in der Nähe von Flughäfen können eine große Gefahr sein. Airlines und Flughäfen sehen dennoch einen Nutzen in den Luftfahrzeugen.

© Getty Images/iStockphotoDrohnen in der Nähe von Flughäfen können eine große Gefahr sein. Airlines und Flughäfen sehen dennoch einen Nutzen in den Luftfahrzeugen.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Österreichweit sind laut Schätzungen bereits mehr als 100.000 Drohnen in Gebrauch. Zumeist werden sie von Hobbypiloten gesteuert. Airlines und Flughäfen sehen in den unbemannten Luftfahrzeugen vorwiegend eine Gefahr, wenngleich auch sie bereits auf die Technologie zurückgreifen.

„Im vergangenen Jahr hat es alleine in Deutschland 148 Fälle von Drohnensichtungen in der Nähe von Flughäfen gegeben“, sagte Mathias Jakobi vom Fluglinien-Dachverband IATA beim gestrigen Luftfahrtsymposium in Wien. Nachdem der Londoner Flughafen Gatwick 2018 nach 200 Drohnensichtungen stundelang lahmgelegt wurde, beschäftigen sich Flugsicherungen, Flughäfen und Behörden mit der Frage, wie man mit solchen Situationen umgeht. Zumal es auch die Befürchtung gibt, dass Terroristen Drohnen für Anschläge verwenden könnten. In Österreich wurde eine eigene Spezialeinheit der Cobra geschaffen, die als Einzige befugt ist, Drohnen vom Himmel zu holen, erklärte Elisabeth Landrichter vom Verkehrsministerium. Auch Notfallpläne seien erstellt worden.

Drohnen an Flughäfen könnten dennoch künftig zum gewohnten Bild gehören. „Wir nutzen Drohnen zur Gebäudekontrolle“, erklärte Flughafen-Wien-Chef Julian Jäger. Die Austrian Airlines setzt Drohnen seit Kurzem zur technischen Überprüfung ihrer Flugzeugflotte ein. Diese kontrollieren die Flugzeuge vollautomatisch auf Schäden. Der Check mittels Laser und Kamera dauert weniger als zwei Stunden, anstatt zuvor vier bis zehn Stunden, sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech.

Auch der Schritt zur selbstfliegenden Drohne ist nicht mehr weit, erklärte Andreas Perotti vom austro-chinesischen Luftfahrtkonzern FACC. Das Unternehmen aus Ried im Innkreis hat bereits mehrere Lufttaxis gemeinsam mit dem chinesischen Kooperationspartner EHang gebaut und ausgeliefert. Im kommenden Jahr sollen auch autonome Lufttaxis in Serie gehen. Die ersten Taxi-Drohnen werden für den asiatisch-pazifischen Raum gebaut, in der oberösterreichischen Hauptstadt Linz sollen Testflüge erfolgen.

Drohnen des niederösterreichischen Herstellers Schiebel werden bereits seit den 1990er-Jahren zur Überwachung von Grenzen, Pipelines oder anderen Bodenobjekten eingesetzt. An der Entwicklung von Mini-Helikoptern zur Personenbeförderung sei man aktuell aber nicht interessiert, sagt Martin Komarek, Managing Director beim niederösterreichischen Unternehmen. „Vieles ist technisch bereits möglich, gesetzlich aber noch nicht“, erklärte Komarek. Neben globalen Standards für autonome Flüge würden einheitliche Zulassungsbestimmungen sowie Luftverkehrsmanagmentsysteme fehlen, sagte Luftverkehrsberater Günter Martis.

AUA-Chef von Hoensbroech ortet noch andere Probleme. „Bis autonome Lufttaxis dieselben Sicherheitsstandards erreichen wie die zivile Luftfahrt, wird noch sehr viel Zeit vergehen. Zudem wird es sehr viel Geld kosten.“ Der AUA-Chef rechnet damit, dass „Flugtaxis eine Nische bleiben wie Helikopterflüge heute“.