Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.09.2019


Gesellschaft

Feierlicher Saisonausklang

Zahlreiche Tiroler Landwirte holen dieser Tage ihre geschmückten Tiere von den Almen.

Almabtrieb am Weerberg: Die festlich geschmückten Tiere stehen für das Ende einer erfolgreichen und unfallfreien Almsaison.

© andreas knappAlmabtrieb am Weerberg: Die festlich geschmückten Tiere stehen für das Ende einer erfolgreichen und unfallfreien Almsaison.



Innsbruck – Es ist eine seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Tirol gepflegte Tradition: Am Ende eines Sommers werden die Almtiere feierlich geschmückt und ins Tal abgetrieben. „Der Schmuck steht für einen unfallfreien und erfolgreichen Almsommer“, erklärt Christian Moser, Vorstand der Organisation Rinderzucht Tirol, den Ursprung des so genannten „Aufbüschelns“. Der Almabtrieb ist aber auch ein Höhepunkt im Jahr, für dessen Gelingen sich meist alle in der Familie und Freunde voll engagieren. „Anders wäre das auch nicht möglich“, erklärt Moser und räumt gleich mit einem Mythos auf, wonach Almabtriebe heutzutage nur noch für Urlaubsgäste veranstaltet würden. „Da steckt so viel Arbeit in den Vorbereitungen, das macht man nicht, wenn es einem nicht um das Brauchtum und die Sache selbst geht“, erklärt er. Auch der Abtrieb selbst sei eine Herausforderung für alle Beteiligten – immerhin müssen die Tiere ja zunächst ohne Zwischenfälle geschmückt und dann unfallfrei ins Tal getrieben werden. Damit das gelingt, ist auch hier die Zusammenarbeit von vielen Menschen gefordert.

Was die Art des Schmucks betrifft, gibt es regional große Unterschiede: In Regionen wie den Kitzbüheler Alpen und dem Zillertal tragen die Tiere naturbelassene, mit bunten Bändern verzierte Nadelholzwipfel zwischen den Hörnern. In der Region westlich von Innsbruck sind vor allem entrindete Wipfel und Holzgestecke mit figuralen Darstellungen zu sehen. Rund um Imst und Landeck sind mit Spiegeln, Bildern und Sprüchen verzierte Stirnmasken verbreitet, während im Außerfern, Wipptal und Osttirol Kränze aus Reisig, Blumen und Hörnerschmuck beliebt sind.

Dass die feierlichen Abtriebe und das begleitende Spektakel jedenfalls auch aus touristischer Sicht einen Mehrwert haben, bestätigt Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung: „Almabtriebe sind in der Tiroler Volkskultur fest verankert und ein Beispiel für gelebtes Brauchtum in unserem Land. Das Ereignis selbst sowie die Feste rund um diesen Anlass sprechen auch unsere Gäste an und bilden insbesondere für Deutsche, Niederländer, Italiener und Franzosen ein wichtiges Reisemotiv in der Nachsaison.“

Insgesamt gibt es in Tirol 2100 bewirtschaftete Almen, die sich auf 380.000 Hektar verteilen. Rund 32.000 Kühe, 77.000 Jungrinder, 3100 Pferde, 80.000 Schafe und 5900 Ziegen verbringen dort den Sommer. (np)

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