Letztes Update am Sa, 21.09.2019 07:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Vom Hörsaal auf die Seegrube: Eine Stadt und ihre Studenten

Tirols Landeshauptstadt wartet mit einem breiten Angebot im tertiären Bildungsbereich auf. Für die Uni Innsbruck als Platzhirsch sind die Nebenbuhler um Studierende in den vergangenen Jahren mehr geworden. Kurze Wege und eine hohe Lebensqualität machen die Stadt ür Studenten attraktiv.

Gegründet 1669, feiert die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck heuer ihren 350. Geburtstag.

© Thomas BöhmGegründet 1669, feiert die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck heuer ihren 350. Geburtstag.



Von Nikolaus Paumgartten und Benedikt Mair

Innsbruck – In den kommenden Wochen nimmt der universitäre Betrieb in Tirols Landeshauptstadt wieder Fahrt auf: Insgesamt werden es auch heuer rund 34.000 Studierende sein, die an der Innsbrucker Universität, an der Med-Uni und am Managementcenter Innsbruck (MCI) die Weichen für ihre spätere berufliche Karriere stellen. Die Zahlen beziehen sich auf das Wintersemester des Vorjahres, für das kommende Semester ist das Anmeldeverfahren noch voll im Gang und wird erst im Laufe des November abgeschlossen sein.

Die mit Abstand größte und traditionsreichste der drei genannten Bildungseinrichtungen – vor dem MCI (3600 Studierende) und der Med-Uni (3300) – ist naturgemäß die Innsbrucker Universität mit rund 27.000 Studierenden. Was die Zahl der Erstsemestrigen betrifft, hat die Uni in den vergangenen zehn Jahren allerdings eine durchaus wechselhafte Geschichte erlebt: Nahmen im Wintersemester 2008

2009 noch 3373 Personen ihr Studium auf, waren es 2012 im Herbst 4522. Im Laufe der folgenden Jahre ging die Zahl allerdings wieder sukzessive zurück, 2018 inskribierten „nur noch“ 3870 Studierende für das erste Semester.

Die Zahlen zeigen, dass der Standort Innsbruck alleine also kein Selbstläufer für die Universität ist. Denn abgesehen von geburtenschwächeren Jahrgängen sind es die wachsenden Angebote an Alternativen, die die Universität Studienanfänger kosten. „Früher gab es die Uni und das war es. Heute ist das Bildungsangebot ein viel bunteres“, bestätigt der Vizerektor für Lehre und Studierende an der Uni Innsbruck, Bernhard Fügenschuh. „Ich sehe in den Fachhochschulen aber keine Konkurrenz für die Universität, sondern eine inhaltliche Ergänzung, was die Fächer, aber auch was das System angeht“, betont er. Die Unterschiede seien in der Struktur, dem Aufbau der Studien und dem Stellenwert der Forschung deutlich zu erkennen.

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Das umfangreiche Wintersport-Angebot locken viele Studenten nach Innsbruck.
Das umfangreiche Wintersport-Angebot locken viele Studenten nach Innsbruck.
- Innsbruck Tourismus

Was tut aber die Uni, um sich für junge Menschen attraktiv zu machen? Den berühmten Uni-Rankings will Fügenschuh in dieser Frage nicht allzu viel Bedeutung zukommen lassen. „Ob die Universität jetzt in einem internationalen Ranking auf Platz 150 oder erst auf 350 aufscheint, wird letztlich nicht entscheidend dafür sein, ob sich jemand für Innsbruck als Studienort entscheidet“, glaubt er. Viel mehr wiege der Ruf der Uni, wenn es etwa um die Kompetenzen bei bestimmten Themenfeldern geht – wie in Innsbruck beispielsweise im Bereich der Quantenphysik oder in Fächern mit Klimawandel-Kontext. „Unser Vorteil ist außerdem sicher auch, dass wir eine Volluniversität sind und ein unglaublich breites Fächerangebot haben“, sagt Fügenschuh. Auch durch seine Lage und sein Angebot abseits des universitären Betriebes – Freizeit, Kultur, Sport – ist der Standort Innsbruck ein äußerst attraktiver, glaubt Fügenschuh und zeigt sich optimistisch, was die künftige Entwicklung betrifft. „Noch haben wir nicht die endgültigen Zahlen, es deutet sich aber eine Trendumkehr an: Im Moment haben wir ein Plus bei den Studienanfängern“.

Vom Hörsaal auf die Seegrube

Tausende Studenten bevölkern Innsbruck, das Studierenden ein „einmaliges Leben bietet“ – so zumindest wirbt eine Internetseite, die über das Psychologiestudium in der Landeshauptstadt informiert. Weiters werden ein „ausgeprägtes Nachtleben“ und unbegrenzte Möglichkeiten, Sport zu betreiben, angepriesen. Was schätzen Studenten wirklich an der Stadt? Und wie profitiert diese von der Universität?

Bernhard Vettorazzi, Geschäftsführer des Stadtmarketings, findet es „nicht ungewöhnlich“, dass Innsbruck bei Studenten so beliebt sei. „Die Summe von vielen Faktoren trägt dazu bei. Einerseits ist da der gute Ruf der Universität als Bildungseinrichtung. Im Winter natürlich die Möglichkeit zum Skifahren oder Snowboarden direkt vor der Haustür, was besonders bei deutschen Studierenden ein wichtiger Faktor ist, weshalb sie Innsbruck als Studienort wählen.“

Eine „gewaltige Berg-Stadt-Dramaturgie“ und die „kurzen Wege“ habe die Stadt zu bieten, meint Vettorazzi. „Am Vormittag sitzen sie im Hörsaal, am Nachmittag fahren sie auf der Seegrube Ski.“ Das funktioniere, im Vergleich mit anderen ähnlich großen Universitätsstädten, eben nur in Innsbruck. „Die Lebensqualität ist enorm.“

Auch das gute Nachtleben hat seinen Reiz.
Auch das gute Nachtleben hat seinen Reiz.
- Innsbruck Tourismus

Und obwohl mit Weekender, Stadtcafé oder dem Hafen in den vergangenen Jahren mehrere prominente Publikumsmagneten des Nachtlebens ihre Pforten schließen mussten, ist der Stadtmarketing-Chef überzeugt, dass „das große Angebot beim Ausgehen Innsbruck auszeichnet“. Trotz „einiger negativer Schlagzeilen“ sei die Bogenmeile das Szeneviertel der Stadt. „Bar-Hopping bei langen Öffnungszeiten ist sehr angesagt.“ Der Wegfall einiger Party-Institutionen sei zwar schmerzhaft gewesen, aber „wir hoffen, dass in den kommenden Jahren wieder neue Lokale eröffnen werden. Wir arbeiten außerdem derzeit fieberhaft daran, einen Ersatz für den Hafen zu finden.“

Die perfekte Mischung aus Sportangebot, Freizeitprogramm und Kultur ist für Innsbrucks Vizebürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, die für die Universitäts- und Hochschulagenden zuständig ist, das, was Studenten in der Landeshauptstadt erwartet. „Neben der Tatsache, dass nahezu alle interessanten und relevanten Studiengänge angeboten werden.“ Dass sich so viele junge Menschen Jahr für Jahr Innsbruck als Wohn- und Lebensort aussuchen, tue der Stadt gut. „Die Uni ist seit ihrer Gründung, in all den Jahrhunderten, immer ein Motor für die Entwicklung gewesen. Davon profitieren Studenten, aber auch die Einheimischen.“