Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.09.2019


Osttirol

Gebetsperlen, die Lösungen bieten: Lienzer Dekan veröffentlicht Buch

Der Lienzer Dekan Franz Troyer hat sein viertes Buch, „Beten verwandelt“, veröffentlicht und präsentiert es morgen im Rahmen einer Lesung in der Pfarrkirche St. Andrä. Betende haben mehr Lösungen, sagt Troyer.

Der Lienzer Dekan Franz Troyer präsentiert sein viertes Buch, „Beten verwandelt“, in Lienz und in Innsbruck.

© Christoph BlassnigDer Lienzer Dekan Franz Troyer präsentiert sein viertes Buch, „Beten verwandelt“, in Lienz und in Innsbruck.



Lienz — Franz Troyer ist vor einem Jahr von Innsbruck nach Lienz gekommen, hat die Pfarre St. Andrä und in der Folge auch die Dekanatsleitung übernommen. In der Stadtpfarrkirche präsentiert der promovierte Theologe morgen um 19 Uhr sein neues Buch „Beten verwandelt". Am Montag, 7. Oktober, stellt der Geistliche seine inzwischen vierte Veröffentlichung auch in seiner ehemaligen Pfarre Allerheiligen in Innsbruck vor. Auch Bischof Hermann Glettler hat seine Teilnahme dort angekündigt.

Warum und für wen schreiben Sie Bücher?

Franz Troyer (lacht): Ich habe mich im Jahr 2003 mit einem Jesuitenpater, den ich sehr schätze, darüber unterhalten, dass ich meine Dissertation gerne in eine leichtere Fassung bringen und veröffentlichen möchte. Mein Gegenüber hat eher abgewunken mit dem Hinweis auf den sehr großen Aufwand. Da kannte er mich schlecht, denn wenn ich so etwas höre, dann denke ich mir immer: jetzt erst recht.

Ihre Ideen dafür kommen aus Ihrem Alltag als Priester?

Troyer: Zu einem großen Teil, natürlich. Als Leiter der Bibelpastoral in der Diözese treffe ich bei Veranstaltungen auf viele verschiedene Leute. Dort spüre ich sehr gut, welche Ideen und Anregungen gut angenommen werden und hilfreich sind.

Ihr neues Buch heißt „Beten verwandelt". Was ist darunter zu verstehen?

Troyer: Wandel nicht im Sinn von Veränderung, sondern als Geheimnis, wie es zum Beispiel die Wandlung beim Gottesdienst ist. Man merkt das nicht eins zu eins, eine solche Erwartung erfüllt sich nicht. Es ist zutiefst meine Erfahrung, dass mich Beten öffnet, stärkt und meinen Blick erweitert. Es ist ein Nachdenken über mich selbst, ein Schauen auf mein Leben und das des anderen mit den Augen Gottes. Ich sehe dann nicht nur alles aus meiner Perspektive, sondern auch aus der des anderen. Mutter Teresa hat einmal gesagt, dass sie zehn Jahre lang gebetet hat, ohne sich sicher zu sein, dass das einen Sinn hat.

Hat Beten einen meditativen Charakter?

Troyer: Ja, doch christliches Beten geht weit über das Reinwerden, das meditative Praktiken natürlich bieten, hinaus. Es geht um Vertrauen und die Beziehungssuche zu Gott, mit dem man durchaus auch feilschen und ringen soll. Wer betet, ist deshalb nicht immer glücklich oder erfolgreich. Jesus hat gebetet und ist am Kreuz gestorben — das nenne ich nicht gerade einen Erfolg.

Kann man beten lernen?

Troyer: Ja und nein. Man kann es bestimmt üben oder sich Hilfestellungen einholen, zum Beispiel bei Exerzitien. Wie gesundheitsbewusste Menschen sich fit halten und Sportler ihren Körper trainieren, so kann man Achtsamkeit seiner Seele gegenüber üben. Nimm dir Zeit und bete, auch in Gemeinschaft mit anderen Menschen. Das gibt dir Halt. Das Kirchenjahr kennt so viele Themen des Lebens, von der Geburt bis zum Tod und der Auferstehung. Würde es diese Gebetstraditionen nicht geben, man müsste sie erfinden.

Haben betende Menschen denn weniger Probleme?

Troyer: Ganz sicher nicht. Aber ich sage immer: Wer betet, hat mehr Lösungen. Man begegnet Konflikten und Problemen anders. Vieles ist eine Frage des Standpunktes. Wenn ich für jemanden bete, dann begegne ich ihm anders. Das motiviert mich, besonders für jene zu beten, die mir Unrecht getan haben und mit denen ich mich schwertue. Nach einem Gebet für diese Menschen bin ich im Umgang mit ihnen freier und gelassener, wohl auch ehrlicher. Das ist übrigens eine meiner zehn Gebetsperlen, die am Anfang des Büchleins stehen.

An wen richtet sich Ihr Buch?

Troyer: Na ja, für Jugendliche ist es sicher zu wenig reißerisch, also richtet es sich eher an Erwachsene. Ich sehe es als eine handliche Sammlung von 40 Kleinteilen, die dem Leser einen Monat lang täglich eine Anregung sein können. Die einzelnen Teile sind jeweils nicht mehr als zwei bis drei Seiten lang — perfekt für das Nachtkästchen.

Erfüllt Gott unsere Bitten?

Troyer: Da halte ich es mit Dietrich Bonhoeffer: Gott erfüllt nicht unsere Bitten, aber seine Verheißungen.

Das Interview führte Christoph Blassnig