Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.09.2019


Innsbruck

Gewalt gegen Hunde: Breiter Widerstand gegen Auftritt von TV-Star Millan

Mit Plakaten und Flyern macht sich eine Initiative gegen Gewalt im Hundetraining stark. Anlass ist der Auftritt des umstrittenen TV-Stars Cesar Millan in der Innsbrucker Olympiaworld.

Karin Kirchmair hängt eines der ersten Plakate ihrer Initiative „Sag Nein zur Gewalt im Hundetraining“ auf.

© KirchmairKarin Kirchmair hängt eines der ersten Plakate ihrer Initiative „Sag Nein zur Gewalt im Hundetraining“ auf.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Große Tierschutzorganisationen, viele Tierärzte, namhafte Tierwissenschafter und gewaltfrei arbeitende Hundetrainer: Seit Jahren begleiten sie mit Aktionen und z. B. wie in der Schweiz mit massiven Protesten die Auftritte des TV-Hundetrainers Cesar Millan. Der gebürtige Mexikaner hat Millionen Fans, die seine Hundesendungen weltweit im Fernsehen verfolgen, seine Live-Shows sind meist restlos ausverkauft. Dass die Ablehnung in der Fachwelt groß ist, kommt nicht von ungefähr: Milla­n arbeitet nach dem wissenschaftlich als veraltet bezeichneten Dominanzprinzip: Er ist der Meinung, dass sich Hunde dem Menschen unterwerfen müssen. „Da gibt es u. a. Fußtritte und die Hunde tragen ein ganz dünnes Halsband“, erklärt Ulrike Kerber, studierte Hundepsychologin und -verhaltenstherapeutin. Diese Methoden seien nicht nur „kontraproduktiv. Strafen erzeugen Angst und Unsicherheit und bergen die Gefahr, dass Hunde aggressive Verhaltensweisen entwickeln“, so Kerber.

Anlässlich des Auftritts von Millan am 26. Oktober in der Innsbrucker Olympiaworld wurde daher von der Innsbruckerin Karin Kirchmair die Initiative „Sag Nein zu Gewalt im Hundetraining“ gegründet. Seit Ende dieser Woche werden zum Großteil in Tirols Tierarztpraxen 15.000 Flyer verteilt und 750 Plakate im öffentlichen Raum aufgehängt. „Wir möchten darüber aufklären, welche Trainingsmethoden exemplarisch unter physische und psychische Gewalt einzuordnen sind. Leider verwenden immer noch viele Hundeschulen solche Methoden, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass Hundetrainer immer noch ein freies Gewerbe und somit keine Ausbildung vonnöten ist“, so Kirchmair.

13 Trainer aus Tirol, Osttirol, Vorarlberg und Südtirol, „die zertifizierte moderne, gewaltfreie Ausbildungen haben“, nehmen an der Initiative teil und sind auf der Rückseite des Flyers aufgelistet. Bei 12 von ihnen kann übrigens das – auch bereits eingelöste – Ticket der Cesar-Millan-Show gegen eine Gratis-Trainingsstunde eingetauscht werden.

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