Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Innsbruck

Mädchen und ihr Kampf mit stereotypen Geschlechterrollen

Mehrere Tiroler Sozialeinrichtungen haben sich zusammengeschlossen, um Mädchen in ihrer Entwicklung abseits von Klischees zu unterstützen.

Beim "Mädchenpicknick" soll auf die Anliegen von Mädchen aufmerksam gemacht werden.

© Plattform MädchenarbeitBeim "Mädchenpicknick" soll auf die Anliegen von Mädchen aufmerksam gemacht werden.



Von Denise Daum

Innsbruck — Feminismus? Lobbying für Mädchen? Das braucht es doch heutzutage gar nicht mehr — zumindest glauben das viele. Vor allem von jungen Mädchen ist das oft zu hören. Doch auch wenn mittlerweile die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen gesetzlich verankert ist, werden Mädchen und Frauen bei genauem Hinsehen nicht immer gleich behandelt und sind von Diskriminierung betroffen. „Mädchen werden schon früh in stereotype Geschlechterrollen gepresst. Sie müssen viel stärker kämpfen, um sich von Rollenklischees zu befreien, als Buben", erklärt Viktoria Heiserer-Gruber. Die Beraterin des KIZ Kriseninterventionszentrums engagiert sich mit weiteren Frauen von sozialen Einrichtungen in der 2004 gegründeten „Plattform Mädchenarbeit".

Damit soll ein größeres Forum für Mädchenarbeit gebildet werden, um Veränderungen in der Gesellschaft und der Soziallandschaft Tirols zu bewirken. Zudem legen die teilnehmenden Einrichtungen einen besonderen Fokus auf die Bedürfnisse von Mädchen. „Dazu gehören auch banale Dinge wie ein eigener Bereich nur für Mädchen oder getrennte Toiletten", erklärt Heiserer-Gruber.

Ein Schwerpunkt liegt in der konkreten sozialpädagogischen Arbeit mit Mädchen und in der Auseinandersetzung mit Themen wie psychischer und physischer Gewalt oder sexuellen Übergriffen. Der Erfahrung von Heiserer-Grüber nach findet sich nahezu jedes Mädchen zumindest einmal in einer Situation wieder, in der sie sich unwohl fühlt, die ihr unangenehm ist oder sie peinlich berührt. „Erst wenn die Mädchen konkret danach gefragt werden, beginnen sie zu erzählen", sagt die Beraterin. Von unpassenden Bemerkungen über Geschlechtsteile, von einem Klaps auf den Po, von persönlichen Grenzen, die nicht respektiert werden.

Doch nicht nur konkrete Probleme und Gewalterlebnisse werden bewältigt. Abseits davon soll den Mädchen auch Raum gegeben werden, sich mit ihrer Lebensplanung und den gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an sie auseinanderzusetzen.

Die Plattform Mädchenarbeit hat sich zudem das Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit für die Anliegen der Mädchen zu sensibilisieren. Dafür soll der am Freitag gefeierte „Welt-Mädchentag" genützt werden. Anlässlich dieses international am 11. Oktober begangenen Tages finden in der Innsbrucker Stadtbibliothek mehrere Veranstaltungen statt: Von 10 bis 11.30 geht es in einem öffentlichen Vortrag um „sexualisierte Gewalterfahrung bei Frauen und Mädchen". Um 12 Uhr findet zu diesem Thema ein Workshop statt (Anmeldung: info@aranea.or.at). Auf Mädchen ab zehn Jahren wartet in der Stadtbibliothek von 14 bis 17 Uhr ein abwechslungsreiches Programm. Zum Abschluss findet von 17 bis 19 Uhr ein für alle offenes „Mädchenpicknick" statt. Bei Schönwetter im Wanderzirkus Mariahilfpark, bei Schlechtwetter in der Stadtbibliothek.