Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.10.2019


Bezirk Imst

Hausabriss in Imst befeuert wieder Diskussion

Ein Teil des dörflichen Charakters der Imster Oberstadt ist verschwunden, kritisiert Bauhistoriker Handle.

Der Verlust eines Gebäudeteiles in der Imster Vogelhändlergasse stellt für Bauhistoriker Stefan Handle „das Versagen der Stadt“ dar.

© HandleDer Verlust eines Gebäudeteiles in der Imster Vogelhändlergasse stellt für Bauhistoriker Stefan Handle „das Versagen der Stadt“ dar.



Von Alexander Paschinger

Imst – Das „Ensemble Vogelhändlergasse“ war für den Imster Bauhistoriker Stefan Handle Sinnbild der dörflich geprägten Imster Oberstadt. Seit Kurzem klafft darin ein Loch: Eine Haushälfte wurd­e abgebrochen. Und Handl­e kommentiert das auf der Face­book-Seite „Historical Imst“ so: „Der Abriss dieses Hauses dokumentiert primär einmal mehr das Versagen der Stadt, ihr bauliches kulturelles Erbe zu schützen und für die Nachwelt zu erhalten.“

Eigentümer ist der Imster Rechtsanwalt und Obmann der Fasnacht, Uli Gstrein: Er versteht einerseits, dass es hier um „Sentimentalität“ geht und dass das Haus „natürlich eine Patina“ habe. Aber er ersucht auch um Verständnis: „Das Haus war ja schon mit einem Benützungsverbot belegt“, sagt er. Das Innere wurde mit Baustehern gestützt, das Dach war schwerst beschädigt, es regnete hinein. Die Raumhöhen waren nicht geeignet, ein Großteil des Gebäudes war Stall, die Mauern wurden nach dem Brand von 1822 teils mit ungebrannten Lehmziegeln errichtet.

Gstrein betont, dass er aber gemeinsam mit Dietmar Ewerz, der ebenfalls Eigentümer in diesem Bereich ist, „das Ensemble erhalten“ will. Es gebe Entwürfe, „aber noch ist vieles abzuklären“. Dazu gehört etwa der Bebauungsplan und dann müsse auch noch die rechtliche Eigentumssituation abgeklärt werden: „Es gab einmal einen Grundtausch mit drei Eigentümern, der allerdings nicht im Grundbuch vermerkt wurde.“ Sind diese Sachen abgeschlossen, wolle er seinem Sohn das Grundstück übergeben, der dann „aus persönlichem Interesse“ bauen werde. Die Kubatur soll gleich bleiben, der Charakter erhalten werden und maximal fünf Wohnungen entstehen.

In Imst bleibt der Umgang mit alter Bausubstanz ein politisches Thema. Handle betont, dass der verheerend­e Brand von 1822 immer wieder vorgeschoben werde, aber dass ihn weit mehr als die oft zitierten 14 Gebäude überstanden hätten. Was es seitens der Stadt „wirklich braucht, ist ein umfassendes und reflektiertes Konzept, das der Verantwortung der Stadt für ihr bauliches kulturelles Erbe Rechnung trägt“.

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