Letztes Update am Do, 10.10.2019 14:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drogenberatung warnt

Kokainkonsum in Tirol auch bei Jugendlichen massiv angestiegen

Laut der Fachstelle „Drogenarbeit Z6“ sei die Verfügbarkeit von Kokain in Tirol so hoch wie nie. Die Gefährlichkeit der Droge werde von Konsumenten oft unterschätzt.

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Innsbruck – Die hohe Verfügbarkeit von Kokain in Tirol führt laut dem Drogenberater Manuel Hochenegger vom Innsbrucker Z6 dazu, dass immer mehr Menschen quer durch alle Altersstufen zum weißen Pulver greifen. Der Umgang mit der Substanz werde dabei offener und selbstverständlicher.

Die Risiken des Kokainkonsums werden laut Hochenegger jedoch vor allem von Jugendlichen oft falsch eingeschätzt. Häufig reagiere die betroffene Person oder ihr Umfeld erst, wenn bereits Probleme aufgetreten sind. „Uns ist es wichtig, dass sich Kokainkonsumenten möglichst früh bei uns informieren und unser Drug Checking nutzen. Schäden können so minimiert werden“, so Hochenegger.

Die Drogenarbeit Z6 informiert und berät junge Menschen und deren Eltern bei Fragen zum Thema Drogenkonsum. Das Land Tirol, das Gesundheitsministerium und die Stadt Innsbruck fördern die Einrichtung. Seit 2014 wird außerdem in Kooperation mit der Gerichtsmedizin Innsbruck das Projekt „Drug Checking“ durchgeführt. Substanzen können dabei anonym und vertraulich im Labor auf ihre Inhaltsstoffe analysiert werden.

„Tückische Substanz“

Die veränderten Marktbedingungen und der offenere Umgang in der Gesellschaft könnten laut dem Experten dazu führen, dass vermehrt Konsumenten in die „Kokain-Falle“ tappen. Vor allem Jugendliche würden die Risiken des Kokainkonsums unterschätzen, da die unmittelbare Wirkung nicht so stark sei wie bei anderen Drogen. Für ein- bis eineinhalb Stunden fühlt man sich klar im Kopf, motiviert und empfindt ein erhöhtes Selbstbewusstsein. Tatsächlich weist die Substanz ein enorm hohes Abhängigkeitspotential auf, lässt dabei jedoch die betroffene Person lange im Glauben, alles im Griff zu haben. Meist folge auf eine kurze, exzessive Konsumphase eine Pause, die mit der Zeit aber immer kürzer werde, erklärt Hochenegger. Das Verlangen, Kokain zu konsumieren, werde nach und nach immer größer, es fällt zunehmend schwerer „nein“ zu sagen.

„Kokain heute dreimal so stark wie vor fünf Jahren“

Der Kokainmarkt hat sich in den letzten Jahren weltweit erheblich geändert. Studien der UNO zeigen, dass die Anbauflächen für Kokasträucher seit 2013 um 76 Prozent gewachsen sind. Dementsprechend kommt eine ungleich größere Menge an Kokain nach Europa und somit auch nach Tirol. Inzwischen handle es sich bei jeder dritten Probe, die beim „Drug Checking“ abgegeben wird, um Kokain. 2015 war es noch jede fünfte.

Seit 2015 sei ein weiterer Trend erkennbar: Der Kokaingehalt in den Pulvern ist markant gestiegen. Im ersten Halbjahr 2019 wiesen 60 Prozent der Proben, die von der Gerichtsmedizin analysiert wurden, einen Wirkstoffgehalt über 80 Prozent auf. Damit steige auch das Risiko von Überdosierungen. „Die gleiche Menge Kokain ist heute dreimal so stark wie vor fünf Jahren. Konsument*innen müssen daher viel vorsichtiger dosieren“, warnt Hochenegger. (TT.com, OTS)