Letztes Update am Fr, 25.10.2019 18:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

E-Scooter: So unterschiedlich gehen die Bundesländer mit dem Hype um

Während man in Wien an einer Neuregelung für Leih-E-Scooter arbeitet und sich eigene Abstellbereiche überlegt, funktioniert das Ganze relativ problemlos in den Bundesländern.

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© Reuters(Symbolfoto)



Innsbruck — Seit Mai gibt es in Innsbruck E-Scooter zweier Anbieter zum Ausleihen. Der Service wurde zum Sommertrend und bekam positives aber auch viel negatives Feedback. Richtige Probleme gab es jedoch wenige bis keine. Für ein gutes Auskommen halten sich die beiden Anbieter in Innsbruck an "freiwillige Regeln", die von der Stadt aufgestellt wurden, sagte die zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl von den Grünen.

Vereinbart wurde etwa, dass in touristisch hochfrequentierten Zonen wie in der Altstadt oder rund um die Hofburg E-Scooter weder aufgestellt noch geparkt werden dürfen. Zudem müssen sich die Betreiber, die jeweils maximal 150 Roller anbieten dürfen, an ein Geschwindigkeitslimit von 18 km/h halten. Beschwerden habe es allerdings bereits von Menschen mit Behinderung gegeben. Schwarzl appellierte an die E-Scooter-Fahrer, die Geräte nicht am Gehsteig auf den Leitsystemen für Sehbehinderte abzustellen.

Wenige Probleme auch in anderen Landeshauptstädten

Auch in den anderen Landeshauptstädten mit E-Scootern gab es wenige Probleme. Linz hat mit fünf Anbietern die meisten. Die Zahl der Anbieter schnellte anfangs rasch auf sechs in die Höhe, während bis zu 800 elektrische Roller zur Verfügung standen. Zwischenzeitlich reduzierte sich die Zahl der Verleiher auf drei, gegenwärtig sind es wieder fünf. Auf sich häufende Beschwerden und Unfälle reagierte die Stadt mit einem Verhaltenskodex, den die Firmen unterzeichnen müssen.

Dieser sieht unter anderem vor, dass die Scooter in sensiblen Bereichen der Stadt, etwa Fußgängerzonen und Parks, auf 10 km/h gedrosselt werden, in den übrigen Bereichen kann bis auf maximal 20 km/h beschleunigt werden. Zudem müssen die Firmen darauf achten, dass ihre Roller nicht mehr in Radständern, in Wartehäusern von Haltestellen oder auf schmalen Gehwegen geparkt werden. Bei wiederholter Missachtung sollen Fahrer von den Betreiberfirmen vom Gebrauch ausgeschlossen werden. In den Straßen der Stadt hat sich die Zahl der willkürlich und störend geparkten E-Scooter zuletzt augenscheinlich reduziert.

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In Klagenfurt sind seit dem heurigen Juni zwei Anbieter mit ihren E-Scootern am Start. Zu Beginn hatte es wegen umgefallener Scooter Beschwerden von Bürgern gegeben, das habe sich aber mittlerweile gelegt, hieß es am Freitag von der Stadt Klagenfurt. Für die E-Scooter gelten eingeschränkte Betriebszeiten, im Sommer darf man von 6 bis 23 Uhr, von Oktober bis April von 6 bis 22 Uhr unterwegs sein. Abstellverbote gelten gemäß der Straßenverkehrsordnung, also in Parkanlagen und auf Spielplätzen sowie im Bereich "von besonderer kultureller Bedeutung". In der Innenstadt gilt ein "eingeschränktes Abstellen", Scooter sollen also nur in der Nähe von Fahrradabstellanlagen geparkt werden.

In Graz kann bisher laut der Verkehrsabteilung nicht von einem Problem mit Leih-E-Scootern gesprochen werden, denn bisher gibt es keinen nennenswerten Anbieter. Im Gemeinderat wird allerdings seit einiger Zeit über die Bewilligung eines Verleihes für die elektronischen Roller diskutiert. Wolfgang Wehap, Verkehrssprecher von Stadträtin Elke Kahr (KPÖ), geht davon aus, dass im November der Beschluss fallen könnte. Dann darf in Graz ein Anbieter, der aus einem Bewerbungsverfahren ausgewählt werden soll, maximal 300 E-Scooter zum Verleih zur Verfügung stellen. Dazu komme es laut Wehap erst nach Festlegung der Abstellplätze und wohl nicht vor dem Frühjahr 2020. Derzeit sind in der steirischen Landeshauptstadt praktisch nur E-Scooter-Fahrer unterwegs, die ihre Roller selbst gekauft haben, diese hätten bisher keine nennenswerten Auswirkungen auf den Verkehr oder das Stadtbild.

Andere Städte noch ohne allgemeine Verleih-Systeme

Man habe "die große Nachfrage nach E-Scootern in St. Pölten noch nicht vernommen", Anbieter seien aber bereits vorstellig geworden, hieß es vom Magistrat der niederösterreichischen Landeshauptstadt auf Anfrage. "Falls überhaupt, wäre wohl frühestens 2020 mit einem solchen Angebot in der Stadt St. Pölten zu rechnen", sagte Alexander Schmidbauer von der Stadtplanung.

"Wir schauen uns derzeit an, wie andere Städte mit dem Thema umgehen und vor allem auch, ob der Hype um die Geräte tatsächlich aufrecht bleibt. Wir stehen hier auch im engen Austausch mit dem Städtebund, um eine bessere, rechtliche Verankerung der E-Scooter zu bekommen." Es gebe derzeit einen Vermieter, dessen E-Scooter müssen aber in seinem Geschäft angemietet werden. "Eine Free-Floater wie in Wien gibt es bei uns noch nicht", so Schmidbauer. Seitens der Exekutive wurde demnach mit privaten E-Scootern "noch kein explizit gefährliches oder überwiegend fahrlässiges Verhalten gemeldet".

In Vorarlberg ist das Mieten von E-Scootern vorerst grundsätzlich in Bregenz und in Dornbirn möglich. In Bregenz erfolgt der Verleih der E-Fahrzeuge zwar über eine eigene Firma, anders als in anderen Orten werden die E-Scooter aber nicht "auf offener Straße", sondern von einem Hotel ausgegeben. In Dornbirn müssen die E-Scooter per App gesucht und gebucht werden. Das Fahrangebot in Dornbirn ist auf gewisse Zonen begrenzt.

In Salzburg wie in Burgenland gibt es noch keine E-Scooter-Leihsysteme. Laut Burgenländer Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) seien die städtischen Strukturen im Burgenland dafür zu klein, um für die Unternehmen von Interesse zu sein. (TT.com/APA)