Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 30.10.2019


Innsbruck

Tirols erster digitaler Grabstein steht am Pradler Friedhof

Es handelt sich dabei um einen recht traditionell aussehenden Grabstein, der jedoch mit einem Bildschirm und einem QR-Code versehen ist.

Tirols erster digitaler Grabstein ist mit einem Bildschirm und einem QR-Code ausgestattet.

© DomanigTirols erster digitaler Grabstein ist mit einem Bildschirm und einem QR-Code ausgestattet.



Innsbruck – Auch wenn er wegen Arbeiten an Elektronik und Verkabelung gestern vorübergehend nochmals waagrecht umgelegt wurde – zeitgerecht vor Allerheiligen steht am Pradler Friedhof in Innsbruck nun der tirolweit erste „digitale Grabstein“. Der Prototyp wurde, wie mehrfach berichtet, von der Tiroler Firma Steinmetz Lutz konzipiert, ausgerichtet auf einen weltweiten Vertrieb.

Es handelt sich dabei um einen recht traditionell aussehenden Grabstein, der jedoch mit einem Bildschirm und einem QR-Code (Art Strichcode) versehen ist. Wird dieser QR-Code vor Ort mittels Smartphone gescannt – oder erfolgt der Zugriff per Website –, „erwacht“ der Bildschirm temporär: Berechtigte (und nur diese) können dann, ähnlich wie in einem sozialen Netzwerk, z. B. Bilder des oder der Verstorbenen betrachten, digitale Kerzen entzünden, Kommentare hinzufügen, Stammbäume einsehen oder per Kopfhörer sogar der Lieblingsmusik des Verstorbenen lauschen.

Während sich einige Tiroler Gemeinden bereits gegen digitale Grabsteine ausgesprochen haben, sieht man in Innsbruck kein grundsätzliches Problem: „Wie bei jedem Grabmal muss um Genehmigung angesucht werden“, betont Alexander Legniti von der städtischen Friedhofsverwaltung. „Die Pietät muss gewahrt bleiben, die Maße müssen stimmen.“ Grundsätzlich habe es in Innsbruck aber „immer schon ganz verschiedene Grab­einrichtungen gegeben – aus Stein, Metall, Holz oder Glas. Warum also nicht digital?“ Ob sich diese neue Form des Grabsteins bewähren wird, lasse sich aktuell freilich noch nicht beurteilen, ebenso wenig die Frage der Haltbarkeit. Denn, so Legniti: „Sogar Stein zerbröckelt.“ (md)