Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.10.2019


Innsbruck-Land

„Biwak“: 15 Jahre Schutz für junge Flüchtlinge in Hall



Am 1. November 2004 startete SOS-Kinderdorf mit dem „Biwak" in Hall sein tirolweit erstes Projekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Insgesamt über 200 junge Menschen aus 21 Nationen fanden dort seither ein Zuhause auf Zeit, wurden altersgerecht betreut und bei der Integration unterstützt. Biwak-Leiter Efendi Onay dankt dem Land Tirol und der Stadt Hall, die damals die Gründung erst ermöglicht hätten und die Arbeit im Biwak seit 15 Jahren unterstützen, ebenso den vielen privaten Förderern.

Aktuell leben im Biwak und den angeschlossenen Wohngruppen 23 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwischen 14 und 18 Jahren: 14 männliche Jugendliche im Stammhaus in der Bruckergasse, drei Mädchen in einer eigenen Wohngruppe im Haus daneben und sechs männliche Jugendliche im Betreuten Wohnen in der Münzergasse. Sie alle kommen aus Afghanistan, Syrien, Nigeria und dem Iran — fast alle bringen einen Rucksack an traumatischen Erfahrungen mit. In Hall finden sie nach langer, oft gefährlicher Flucht zum ersten Mal Schutz und Ruhe.

Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre hätten aber ein Problem massiv verstärkt, sagt Onay — das Thema (Aus-)Bildung. Von den 23 jungen Flüchtlingen machen derzeit sechs eine Lehre, drei gehen zur Schule. Sie haben einen positiven Status (Asyl oder subsidiären Schutz). Alle anderen befinden sich im laufenden Verfahren, das teils schon bis zu zwei Jahre dauert. „Sie würden gerne arbeiten oder eine Ausbildung machen, dürfen aber nicht!", erklärt Onay, dies sei sehr belastend. Er wünsche sich dringend ein Umdenken der Politik in Land und Bund. (TT)

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